Am 5. Juli präsentierte sich die Geo-Startup-Szene auf der AGIT in Salzburg. Aus diesem Anlass haben wir diese „Spezies“ genauer unter die Lupe genommen.

Ecosystem

Aus welcher Motivation heraus Geo-Entrepreneure ihr Business entwickeln, wo die Top-Trends liegen und wo ihr die „Geopreneure“ live erleben könnt, verrät Thomas Blaschke, Professor am Zentrum für Geoinformatik der Uni Salzburg, im Interview mit Startup Salzburg.

#1: Was sind Geo-Entrepreneure?

Blaschke: Zu Geo-Startups im weitesten Sinne zählen Geschäftsideen, die mit ortsbezogenen Daten arbeiten. Verortung und Lokalisierung sind zwei Stichworte dazu. Auch Google Maps, Navigation und Routenplanung, Geo-Marketing, Restaurantsuche, Wetterdienste etc. sind Anwendungen, die wir alle aus unserem Alltag kennen.

 

#2: Also gibt’s schon alles? Oder anders gefragt: Wo geht da noch was?

Blaschke: Die 1000ste App, die mir sagt, wo das nächste Restaurant liegt, ist tatsächlich uninteressant. Gefragt sind Nischen und Spezialanwendungen. Ein Beispiel ist die zunehmende Digitalisierung der Landwirtschaft, mit dem spannenden Feld des „Precision Farmings“. Via Drohnen werden Böden „vermessen“, die räumlichen Daten ausgewertet und dazu genutzt, Düngung oder Saat hochpräzise auszubringen. Der Nutzen für den Landwirt ist ein effizienter Ressourceneinsatz einerseits und eine Kosteneinsparung andererseits. Weitere tolle Nischen der Geo-Startups werden am 5. Juli auf der AGIT in einer Startup CloseUp-Session präsentiert.

 

#3: Wer war bei der Startup CloseUp-Session dabei?

Blaschke: Acht Geo-Startups stellten ihre Innovationen vor. Die Sicherheit von Drohnen ist Thema eines Startups. Oder auch Find the Gap – ein integriertes Parkraummanagement, das weiß, wo der nächste freie Parkplatz ist. ABIOS misst, welche Situationen für mich persönlich Stress auslösend sind. Besonders letzteres sieht in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, im Managementsektor und im sportlicheren Freizeitsektor großes Marktpotential. Horst Eckstein, Factory-Teilnehmer 2017, war mit BiLLiTii , der digitalen Selbsthilfe für beeinträchtigte Menschen, mit dabei. Und Waytation hat sich auf „Indoor-Besuchertracking auf Messen“ spezialisiert.

Innovativ? Mit Design-Thinking geht es einfacher

#4: Wer oder was sind die treibenden Faktoren im Geo-Bereich?

Blaschke: Anwendungen mit Ortsbezug haben meiner Meinung nach zwei starke Treiber: Der einzelne Mensch selber, der seine Bewegungsmuster aufzeichnet und diese seinen Freunden über Facebook und Co. mitteilt – Stichwort Mitmach-Internet, wo jeder Journalist ist und jeder Fotograf. Und andererseits gibt es die großen Player, die mit Daten ihr Geschäft betreiben. Ein CEO eines solchen Unternehmens sagte einmal: „Wir wollen nicht nur wissen, wo sie sind und was sie tun. Wir wollen auch ihr Verhalten vorhersagen.“ Facebook ist gratis – wir bezahlen aber mit Daten.

 

#5: Braucht es neue Technologien oder neue Szenarien für die Anwendung?

Blaschke: Mein Eindruck ist, dass es heute nicht mehr an der Technologie scheitert. Technisch ist alles möglich. Das Limitierende sind drei Punkte: Geschäftsmodelle, die nicht gut genug sind, zweitens rechtliche Bestimmungen rund um Datenschutz und Privatsphäre und drittens ein enormer Wettbewerb. Häufig ist es weniger eine technische Fragestellung, die gelöst werden muss. Die Frage muss vielmehr lauten: Wie können wir vorhandene Angebote nutzenstiftend und intelligent integrieren und kombinieren? Und schaffen wir es, aus dem heraus neue Marken aufzubauen?

 

Alexandra war der Service-Point für Gründungsinteressierte an der Uni Salzburg. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Marketing hat sie sich auf’s Vermarkten und Kommunizieren technischer und nicht-technischer Innovationen spezialisiert.

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