Zuerst war da eine Idee in deinem Kopf, die langsam aber sicher zu einem Plan wurde. Tag und Nacht hast du an der Verwirklichung deines Projekts gearbeitet, sogar schon erste Erfolge gesehen und endlich den Traum von der Gründung deines eigenen Startups verwirklicht. Tja, und plötzlich war es dann auch schon wieder vorbei. Höhenflug abwärts. Du bist gescheitert. Jetzt gilt es, nicht dein Scheitern in den Mittelpunkt zu stellen, sondern den Fokus auf einen positiven Umgang mit deinen Fehlern legen.

Warum bist du überhaupt gescheitert?

Genau diese Frage habe ich Michael Altrichter, Business Angel und Aufsichtsratsvorsitzender des Startup-Netzwerks startup300, den ich im Zuge der Investors Lounge von Startup Salzburg getroffen habe, gestellt. Bevor du nämlich überhaupt aus deinen Fehlern lernen kannst, musst du wissen, worin dein Fehler überhaupt lag. Vor unserem Gespräch war ich fest davon überzeugt, dass Startups hauptsächlich aufgrund eines Geldmangels scheitern. Deshalb überraschte es mich umso mehr, als Herr Altrichter eine falsche Zusammenstellung des Gründerteams, deren Teamstreitigkeiten und eine ungeeignete Kompetenzenverteilung besonders hervorhob. Außerdem würden viele GründerInnen dazu neigen, ihre Produkte und Dienstleistungen mit einer falschen Geschwindigkeit am Markt zu präsentieren. Meistens sind sie viel zu langsam und werden bereits von anderen überholt. Hier gilt die Devise: Besser unperfekt starten, statt perfekt warten! Altrichter ist der Meinung, dass es für Startups von Vorteil ist, ihre Produkte anhand des Marktfeedbacks der Kunden stetig zu verbessern und zu perfektionieren.

Michael Altrichter (© Fabian Vogl)

Übrigens: Scheitern liegt oft schon in der Luft, bevor du es riechen kannst. Besonderes Augenmerk solltest du als GründerIn daher immer auf dein Marktfeedback, deine Zahlen und die Chemie in deinem Team werfen. Auch der Investor sah schon oft, dass Differenzen und Probleme im Team nicht angesprochen wurde, bis alles „explodiert“.

Und jetzt?

Weinen, schreien und ein kurzer Wutausbruch seien dir vergönnt, aber eines darfst du auf keinen Fall vergessen: Aufgeben ist keine Lösung! Gesteh dir dein Scheitern ein. Immerhin gibt es mehr Menschen, die aufgeben, als solche, die scheitern. Auch Michael Altrichter ist davon überzeugt, dass Durchhaltevermögen in den „schlechten Zeiten“ sehr wichtig ist und sich genau in diesen Phasen herausstellt, ob du wirklich ein/eine gute/guter  GründerIn bist. Er spielt damit auf das Verhalten von GründernInnen an, wenn sie pivotieren müssen, also gezwungen sind, ihre Erstidee zu verwerfen. Infolge geht dies meist mit der Entwicklung einer neuen Idee und der Orientierung auf einem anderen Markt einher. Hier kommt es darauf an, wie du mit Veränderungen umgehst und dein Scheitern als das betrachtest, was es wirklich ist: Eine Lebenslektion, ein Lernprozess, eine Erkenntnis.

Was? Scheitern ist nicht schlecht?

Heftiges Kopfschütteln von Michael Altrichter auf diese Frage. Scheitern sei nie etwas Negatives, sondern immer ein Plus. Unsere europäische Gesellschaft solle dringend ihre Einstellung zu Fehlern ändern, fordert er. Am Beispiel eines Diktats in der Schule beschreibt der Experte, welche Fehlerkultur wir bereits Kindern vorleben. Folgende Situation hast du früher bestimmt schon selbst in der Schule erlebt: Deine Lehrerin korrigiert dein Diktat und schreibt mit rotem Faserstift die Anzahl deiner Fehlerpunkte darunter. Was du richtig gemacht hast, hat sie wahrscheinlich nie festgehalten. Du hattest 98% deines Diktats richtig? Schön, besondere Beachtung bekamen aber immer nur die zwei falschen Prozente. „Scheitern zeigt doch nur, dass man etwas gelernt hat und zwar, einfach einen weiteren Weg, wie es eben nicht funktioniert. Auch das sollte man schätzen“, so der Business Angel. Die Angst vorm Scheitern hält viele Gründer davon ab, wirklich zu starten und ihr volles Potenzial zu entfalten. So werden sie schnell zu „Zombies“. Diese Unternehmen können sich mit ihrem Geschäftsmodell „gerade so fast“ selbst erhalten, wollen sich aber nicht entwickeln und verändern aus Angst, zu Scheitern.

Tipp vom Business Angel

TU es EINFACH!“ Mit dieser doppelten Betonung verweist Michael Altrichter bewusst noch einmal auf einen der wesentlichen Gründe des Scheiterns. Das „TUN“ spielt darauf an, dass du als GründerIn all deine Zeit, deine Leidenschaft, deine volle Konzentration und Aufmerksamkeit deinem Startup widmen sollst. Entwirf deine Ideen, baue, konstruiere, arbeite an deiner Persönlichkeitsentwicklung, und lass dich von nichts und niemandem ablenken. Fokus! EINFACH“ soll dich daran erinnern, nicht perfekt zu warten, sondern unperfekt zu starten. Hol dir das Marktfeedback deiner Kunden ein, anstatt alleine ewig zu grübeln. Wenn es um dein Startup, mit all seinen Ideen und Projekten geht, dann geh immer all in. Damit meint der Investor, dass du immer 100% Einsatz von dir verlangen sollst, allerdings nie aus finanzieller Sicht. „Das Sparbuch der Oma sollte auf keinen Fall daran glauben müssen“, meint Altrichter lachend. Als Business Angel erwarte er nicht von GründerInnen, in deren Startups er investiert, sich finanziell zu verausgaben. Erwartet wird von ihnen viel wichtigeres: Voll und ganz hinter dem Startup zu stehen und den Mut zu haben, alle Ideen und Projekte zu verwirklichen.

Außerdem: Du bist nie allein! Wenn du gescheitert bist und Hilfe brauchst, dann schau doch gern mal bei den Services von Startup Salzburg vorbei und abonniere auch gleich unseren Newsletter, damit dir auch sicher nichts mehr entgeht!

 

Copyright © Beitragsbild: Unsplash

Sonnenaufgangsjägern, die Hals über Kopf ins Schreiben verliebt ist. Es fasziniert sie jeden Tag aufs neue, aus Buchstaben Wörter entstehen zu lassen, um damit Geschichten zu erzählen. Wenn sie nicht gerade mitten in einer Schreibmission für Startup Salzburg steckt, findet man sie auf ihrem Technologieblog oder, auch bei Wind und Wetter, in der Natur.

Ähnliche Beiträge