Wir haben ihn getroffen: Österreichs Business-Angel-Legende Hansi Hansmann. Tatsächlich ist er auch in echt so sympathisch wie in den Videos über und mit ihm. Wir haben ihm ein paar Fragen zu Teams, Business-Angel-Qualitäten und Exits gestellt.

Ecosytem

Hansi Hansmann war quasi schon alles: Angestellter, Manager, Unternehmer, Mitgründer der Austrian Angels Investors Association (aaia) und Business Angel. Letzteres hat er zum Teil aus Angst vor Langeweile, zum Teil als Zufall begonnen: Nach langjährigem Aufenthalt und Umzug nach Wien brauchte er wieder was zu tun. Damals – mit Anfang sechzig – traf er einen Bekannten, der ihm eher nebenbei erzählte, dass er Geld für sein Unternehmen sucht. Mit Handschlag wurde also das Investment in busuu eingeleitet, das bis heute eines seiner erfolgreichsten ist. Das ist unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass er nicht nur Geld einbringt, sondern mit seinem gesamten Know-how für seine Gründungsteams da ist.

 

Team schlägt Geschäftsmodell

Im Unterschied zu „normalen“ Unternehmer*innen, die auf bewährte Angebote setzen, investieren Startup-Founder ihre ganze Kraft in etwas ganz Neues. Das kann schon Frustration, Frustration und noch mehr Frustration bedeuten. Deshalb ist es am wichtigsten, dass das Team gut miteinander kann, um all diesen Frust gemeinsam durchzustehen. „Von hundert Ideen sind fünf für mich investierbar weil nur zehn Prozent aller Teams gute Teams sind.“ Das Geschäftsmodell ist also nicht vollkommen egal, aber „es ist leichter eine veränderte oder ganz andere Geschäftsidee mit einem guten Team umzusetzen. Eine gute Idee dagegen ist mit einem schlechten Team kaum umsetzbar.“ Deshalb ist es für Hansi extrem wichtig, die Leute, in die er investiert, in vielen Gesprächen sehr gut kennenzulernen.

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Business Angel heißen nicht umsonst „Engel“ –
sie fallen aber nicht vom Himmel

Ein Business Angel wie Hansi Hansmann bringt mehr als Geld – viel mehr. Er unterstützt als Coach und mit seinem Netzwerk, bei Vertragsverhandlungen und manchmal auch mit psychologischen Fähigkeiten. Das Team muss schließlich wieder auf Kurs gebracht werden, wenn der Frust doch mal zu viel wird. „Ein Business Angel muss berufliche Erfahrung und Erfahrung im Umgang mit Menschen haben. Hausverstand ist hilfreich, damit er Geschäftsmodelle verstehen kann. Zahlenverständnis und Vetragsgestaltung sind auch wichtig. Alles Dinge, die man als Unternehmer oder Manager im Lauf eines Arbeitslebens lernt. Wobei ich glaube, dass die besten Business Angels immer noch erfolgreiche Founder sind. Davon haben wir schon ein paar in Österreich: Runtastic, MySugr oder shpock (Anm. allesamt begleitet von Hansi) investieren auch bereits. Sie wissen aus eigener Erfahrung alles, was es zu wissen gibt. Sie sind noch jung und haben die Energie, sich einzubringen. Durch ihre eigenen Exits haben sie außerdem auch das nötige Kleingeld.“

Hansi Hansmann und aaia Geschäftsführerin Lisa Fassl waren von Anton Gruber (Mitte) und seinem Produkt muucare überzeugt: Sie haben ihm beim Demo Day ein persönliches Treffen mit einem passenden Business Angel aus dem aaia Netzwerk überreicht. Foto: wildbild

Wieso Exits allen was bringen…

Genau so, erzählt Hansi, ist übrigens auch die Erfolgsstory des Silicon Valleys entstanden: „Als Paypal verkauft worden ist, war das ein riesiger Exit. Peter Thiel, Elon Musk und noch ein paar andere haben das dort verdiente Geld genommen, wieder gegründet und in andere Startups investiert. So haben sie eine Lawine in Gang gesetzt. Deshalb haben wir heute im Silicon Valley die meisten erfolgreichen Founder, die meisten Exits und das meiste Geld. Das werden wir in Österreich genauso nicht schaffen, aber in die Richtung können wir schon gehen. Wir brauchen dafür immer wieder spektakuläre Exits, die in der Bevölkerung Stimmung machen für das Unternehmertum und durch die Founder rauskommen, die wieder investieren wollen.“

 

…und wieso sie oft die logische Konsequenz sind

Die Frage nach der Notwendigkeit von Exits beantwortet Hansi mit einem klaren Ja. „Für die meisten meiner Investitionen sind Exits notwendig. Gerade im digitalen Bereich ist fast alles auf Exit ausgelegt. Der Grund ist, dass sehr viele Dinge, die von Startups entwickelt werden, keine eigenen Geschäftsmodelle sind, sondern Features. Eine große Corporate kann diese super brauchen und in das eigene Geschäftsmodell einbauen. Sie kann das Feature viel besser nutzen als das Startup selbst. In dem Moment, wo ich ein Startup um einen Betrag verkaufen kann, den ich niemals verdienen werde, muss ich das eigentlich machen.“

 

Hansi Hansmann war einer von vielen Höhepunkten beim Demo Day 2018. Was sonst noch so gelaufen ist, seht ihr im Video oder könnt ihr im ausführlichen Bericht von Startup Partner Wirtschaftskammer Salzburg nachlesen.

Veröffentlicht am 8. März 2018

Als Kommunikations-Verantwortliche beim Startup Salzburg Partner
ITG – Innovationsservice für Salzburg beschäftigt sich Kerstin von Anfang an mit diesem Blog. Meist koordinierend, manchmal schreibend, immer interessiert an der Startup Welt.

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