Eigentlich könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Die Druckerei Stainer, mit mehr als 60 Mitarbeiter*innen auf 5.000 Quadratmeter Produktionsfläche und das Salzburger Startup Barkinsulation, das alle Karten auf die Baumrinde als neuen Rohstoff setzt und derweil nur die Gründer Marco Morandini und Bernhard Lienbacher zählt. Wie der alte Hase auch vom Jungspund lernen konnte, haben wir herausgefunden.

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Das Pinzgauer Unternehmen Stainer ist seit mehr als 45 Jahren im Sieb- und Digitaldruck und in der Werbetechnik sehr erfolgreich. Zählt im deutschsprachigen Raum zu den größten Betrieben in der Branche. Auch wenn das Startup Barkinsulation da noch nicht ganz mithalten kann: Nicht zuletzt wegen der Rinde als neuer Werkstoff, ist für Stainer die Arbeit mit den Jugunternehmern eine spannende Herausforderung.

Innovativer neuer Rohstoff

Ende 2016 gründeten Marco Morandini und Bernhard Lienbacher Barkinsulation, das auf eine neue Presstechnologie für den bis dato ungenutzten Werkstoff Rinde baut. Dem Abfallprodukt der Sägeindustrie hauchen die beiden seither neues Leben ein. Vor allem die enorme Isolierfähigkeit des Rohstoffs begeistert die Forscher und Absolventen der Startup Salzburg Factory. „Die außergewöhnlichen Eigenschaften der Baumrinde ermöglicht beispielsweise eine konstante Gerätetemperatur“, sagt Marco Morandini. Auch als Plastik-Alternative. Im Gastronomie-Bereich vertreiben sie bereits ihre Produktserie Patronus, die aus Wein- und Bierkühlern besteht. „Wir wollten noch flexibler in der Gestaltung unserer Getränkekühler- und Untersetzer werden“, sagt Morandini. Um das Design spezieller an die Kundenwünsche anzupassen, kam die Druckerei Stainer ins Spiel. Ende 2017 dockten die Jungunternehmer an die renommierte Pinzgauer Druckerei an.

Bild: Clemens Arndt

Premiere und Challenge zugleich

Die Kooperation mit Stainer ist für die Jungunternehmer gut für’s Marketing: „Natürlich ist es nicht unrelevant, nach außen hin kommunizieren zu können, dass wir mit so einem renommierten Unternehmen arbeiten“, sagt Morandini. Barkinsulation sind bei Stainer allerdings in der Kundenrolle. „Wir haben den Bonus, noch ein junges Unternehmen zu sein. Das wird berücksichtigt“. Für Stainer ist es nicht die erste Kooperation mit einem Startup. „Die Zusammenarbeit mit Startups oder Jungunternehmern kommt durchaus öfter vor. Wenn ein neues Produkt entwickelt oder erfunden wird, braucht es meistens ein Branding oder ein Logo“ sagt Christian Lohfeyer, Kundenberater im Bereich Digitaldruck und Werbung.

Eine Premiere war das Bedrucken der Rinde, die sich für die Druckerei als Challenge herausstellte. Was geht, was geht nicht? Was sieht gut aus? „Das Material ist außergewöhnlich. Bedenken mussten wir die unebene Oberfläche, die wir in dieser Form noch nicht hatten“, sagt Lohfeyer. „Wir investierten einige Stunden in die optimale Einstellung unserer Maschinen. Erst als wir ein gutes Musterstück hatten, haben wir es Barkinsulation gezeigt.“ Auch die eher ungewöhnliche Form – ein Zylinder – war herausfordernd. Und die erste Bestellung von Bierdeckeln außergewöhnlich gering: nur 300 Stück. Anfragen für individuelles Design erhalten Barkinsulation jedoch immer mehr. „Wir bekommen zurzeit laufend spezielle Kundenwünsche, die wir gemeinsam mit Stainer besprechen. Vor allem inwieweit sie realisierbar sind“, sagt Morandini. Die gute Auftragslage feiern Barkinsulation mit einem neuen Online-Shop, der für eine effizientere Abwicklung sorgen soll.

Aber auch auf Großunternehmensseite zieht man eine positive Bilanz. „Barkinsulation ist zwar bis jetzt noch kein Großauftrag aber wir sehen, dass da noch alles passieren kann. Beispielsweise eine Brauerei, die ein paar tausend Bierdeckel bedruckt haben will. Wir können definitiv gemeinsam etwas aufbauen“, sagt Lohfeyer.

Drei Fragen an Barkinsulation & Stainer

Was würdet ihr anderen Startups empfehlen, die auch mit renommierten Unternehmen kooperieren wollen?

Marco Morandini: „Ich würde empfehlen, einfach mal zu schauen, wer für eine Kooperation infrage kommen könnten. Dann darf man natürlich auch keine Skrupel haben sich dort zu melden. Auch durch Netzwerke wie Startup Salzburg hat man als Gründer tolle Möglichkeiten mit wichtigen Unternehmensvertretern in Kontakt zu kommen. Damit dein Mail nicht gleich in den Papierkorb wandert“.

Wann ist eine Kooperation für Gründer*innen sinnvoll?

Marco Morandini: „Egal in welcher Phase man sich befindet, glaube ich, dass man durch eine Kooperation mit einem Unternehmen immer einen Mehrwert schaffen kann. Die Informationen, das Know-how das man dadurch erhält kann man jederzeit sinnvoll verwerten“.

Ist Stainer einer Zusammenarbeit mit Gründer*innen weiterhin aufgeschlossen?

Christian Lohfeyer: „Absolut. Wir sind nie abgeneigt eine Musterserie für Jungunternehmer zu produzieren. Da ist schon öfter etwas sehr Gutes daraus entstanden“.

 

www.barkinsulation.com

www.stainer.co.at

Schreibfröhlich und am liebsten mit viel Sonnenschein in den Tag. Nach Wien und London hat es Evelyn nun nach Salzburg verschlagen. Hier hört sie sich im Einsatz für die ITG und Startup Salzburg nach spannenden Geschichten und Menschen um.

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