Das Software-Startup von Stephan Kletzl und seinem Bruder Christian Kletzl holt sich an den Standorten Salzburg und San Francisco das Beste aus beiden Welten heraus. Ihr Produkt UserGems sagt seinen Kund*innen, wer ihre Kund*innen sind und hilft ihnen dabei, den Kontakt zu halten.

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Wer sind eigentlich meine Kund*innen und wie erreiche ich sie? Diese Frage muss sich jedes Unternehmen stellen. Die Kund*innen von UserGems sind in der Regel Mitarbeiter*innen im Bereich Sales. Die Idee dahinter? UserGems sagt seinen Kund*innen, wenn ihre Kund*innen den Job wechseln.

 

In der Praxis sieht das zum Beispiel so aus: eine Kundin von UserGems ist Sales-Mitarbeiterin und vertreibt eine Analysesoftware, die sie 20 Usern verkauft hat. Wenn einer dieser 20 User den Job wechselt und zum Beispiel zu Google geht, gibt ihr UserGems Bescheid, dass ihr User jetzt bei Google arbeitet inklusive der neuen Kontaktadresse. Die Sales-Mitarbeiterin kann nun ihren User mithilfe der neuen Kontaktdaten anschreiben und anfragen, ob er auch im neuen Unternehmen die Analysesoftware verwenden möchte. Wenn der User im alten Unternehmen mit dem Produkt zufrieden war, wird er im besten Fall die Analysesoftware auch bei Google verwenden wollen. So hat die UserGems-Kundin die Möglichkeit, Google als potenziellen Neukunden zu gewinnen.

 

 

Kontakte bleiben erhalten

 

Wenn eine Person die Firma wechselt, gehen normalerweise auch die Kontaktdaten verloren und man kann die Person nicht mehr erreichen. UserGems setzt genau dort an. Konkret sieht das so aus, dass Kund*innen von UserGems einmal im Monat eine Auflistung darüber bekommt, welche ihrer Kund*innen im letzten Monat den Job gewechselt haben. Sie erfahren, wohin ihre Kund*innen gewechselt sind, wie dort die neuen Emailadressen lauten und welche Positionen sie in den neuen Firmen innehaben.

 

Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist man dazu verpflichtet, Kontaktdaten aktuell und korrekt zu halten. UserGems hilft dabei, diesen Vorgaben nachzukommen. Vereinfacht gesagt ermöglicht die Software ihren Kund*innen, den Kontakt zu halten. Im Gegenzug stellt UserGems auch Kontakte her zu Personen, die bereits über Erfahrungsberichte verfügen und ein Produkt bei einem vergangenen Arbeitgeber verwendet haben. So können sich potenzielle Neukund*innen von Sales-Mitarbeiter*innen direkt und unkompliziert authentische Erfahrungsberichte innerhalb der eigenen Firma holen.

 

Von großen und kleinen Fischen

 

Jedes Startup muss sich früher oder später die Frage stellen, ob es ein kleiner Fisch im großen Teich oder ein großer Fisch im kleinen Teich sein möchte. UserGems hat seine Standorte in Salzburg und in San Francisco. Dabei ist San Francisco das Mekka für Startups, speziell im Software-Bereich. Wenn man etwas mit Startups machen will, sollte man also einmal dort gewesen sein.

 

UserGems hat die meisten und die größten Kund*innen in den USA. Durch die Teilnahme am Accelerator-Programm „Y Combinator“ verfügen sie dort schlicht und einfach über das bessere Netzwerk. Die Vorteile durch die Teilnahme an so einem renommierten Programm liegen auf der Hand: Neben der Aneignung von Fachwissen und die Weiterentwicklung der eigenen Geschäftsidee profitiert man vor allem am Netzwerk, das man automatisch dadurch bekommt. Der Erstkontakt zu potenziellen Kund*innen wird dadurch leichter und öffnet viele Türen. Am Ende muss natürlich aber immer das Produkt überzeugen.

 

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Das Beste aus zwei Welten

 

Die Standorte Salzburg und San Francisco sind für UserGems die ideale Kombination. In Salzburg ist generell alles günstiger und Mitarbeiter*innen wechseln nicht so schnell und so häufig wie im Startup Hotspot San Francisco. Deswegen haben die beiden CEOs Stephan und Christian Kletzl bewusst den Unternehmensbereich Programmierung in Salzburg und Sales in San Francisco angesiedelt.

 

Das ist nachvollziehbar, da sie in den USA den Großteil ihrer Kund*innen haben und diese natürlich lieber einen Ansprechpartner vor Ort haben. Mitarbeiter*innen wechseln in Amerika öfter den Job. Deswegen ist dort der Bedarf für eine technologische Lösung, wie sie UserGems bietet, höher als in Österreich. Außerdem gewährleisten sie durch den Sitz der Programmierer*innen in Salzburg die gute und konstante Qualität von UserGems.

 

Die Zukunft von UserGems

 

Das Startup soll vergrößert werden und der Markt in Österreich und in Europa erschlossen werden. Idealerweise sollen am Standort Salzburg zusätzliche Mitarbeiter*innen für die Programmierung und die Sales-Vorbereitung eingestellt und in den USA das Sales-Team vergrößert werden. Das grundsätzliche Ziel von Stephan Kletzl ist es aber, eine gut funktionierende Firma mit einem gut funktionierenden Produkt zu haben. Aktuell ist er in Gesprächen mit Investor*innen.

 

Das UserGems-Team (v. l. n. r.): Christoph Mayrhofer, Klaus Plankensteiner, Stephan Kletzl und Christian Kletzl.

 

Drei Fragen an Stephan Kletzl von UserGems:

 

Seit etwa einem Jahr konzentriert ihr euch auf den B2B-Bereich. Warum der Wechsel von B2C auf B2B?

Stephan: Ursprünglich haben wir UserGems als klassisches B2C-Produkt aufgebaut, das mit Influencer-Marketing arbeitet. Wir wollten uns weiterentwickeln und da hat das Kriterium „Influencer“ für uns nicht mehr gepasst. Wir haben außerdem festgestellt, dass wir beim B2B-Modell sehr viel mehr Wert für unsere Kund*innen erzeugen und somit auch größere und längere Verträge abschließen können. Dass wir darüber hinaus unsere Kund*innen dabei unterstützen, ein Prinzip der DSGVO (Richtigkeit) einzuhalten, hat sich erst später herausgestellt, ist aber natürlich für unsere Kund*innen ein großer Mehrwert.

 

Ist das Startup-Leben so, wie du es dir vorgestellt hast?

Stephan: Jeder geht ein bisschen naiv ins Startup-Leben – man denkt sich, dass man seine Startup-Idee nur Fertigstellen muss und dann kommen die Kund*innen von ganz allein und reißen einem das Produkt aus den Händen. In Wirklichkeit ist es aber harte Arbeit, mit Höhen und Tiefen, und man merkt sehr schnell, dass man neben einem guten Produkt auch ein funktionierendes Konzept für den Markteinstieg und den Vertrieb benötigt. Wenn es aber dann klappt und man Erfolge erzielt, gleicht das alle vorgehenden Mühen aus. Die Arbeit selbst ist sehr abwechslungsreich und spannend – wenn man mal für ein paar Jahre an einem Startup gearbeitet hat, würde man vermutlich keinen normalen Beruf mehr wollen.

 

Dein Rat für Gründer*innen?

Stephan: Macht es einfach! Im schlimmsten Fall wird es nichts und man muss zurück zu einem „normalen“ Beruf. Es ist wichtig, dass man Erfahrungen sammelt, selbst wenn man scheitert – die ideale Voraussetzung für ein erfolgreiches Startup ist es, bereits Startup-Erfahrungen gesammelt zu haben. Besonders in Österreich gibt es ohnehin ein sehr gutes Sozial- und Fördersystem, das einem bei der Gründung eines Startups unterstützt. Uns haben diese Förderungen wirklich geholfen und wer weiß, wo wir ohne sie heute wären.

 

(Fotos: Joseph Barrientos/Unsplash, Monika Stürmer/Techno-Z)

Interessiert an allem, was nicht der Norm entspricht, und ausgestattet mit einem gewaltigen Wissensdurst, ist sie für Startup Salzburg und die ITG – Innovationsservice für Salzburg auf der Jagd nach herausragenden Ideen und den Geschichten der Menschen dahinter. Als studierte Archäologin ist sie der Überzeugung, dass man Fortschritt und Innovation nicht aufhalten kann – als Kommunikationsprofi weiß sie, dass man darüber berichten muss.

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