Eigentlich wissen wir es alle: zu viel Zucker ist ungesund. Und doch finden wir uns regelmäßig abends auf der Couch wieder – Schokolade, Kekse und Gummibärlis in den Mund stopfend. So erging es auch Dušan Milekić. Wir haben ihn gefragt, wie er zu seinem Lebenswandel und der Gründung des Startups KETOFABRIK gekommen ist.

startups

Stark übergewichtig und mit schlechten Blutwerten entschied sich Dušan für die ketogene Ernährung, um endlich abzunehmen. Heute – ein paar Jahre später und um 40 Kilogramm leichter – hat er seinen Ernährungsstil in einen Lebensstil verwandelt und zusammen mit Slobodan Stojanovic und Nicola di Loreto ein eigenes Startup gegründet, das ketogene Schokoriegel produziert. Damit hat er es in die TV-Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ und die Startup Salzburg FACTORY geschafft.

Aber was ist ketogene Ernährung eigentlich?

Wer sich ketogen ernährt, isst kohlenhydratarm, zuckerarm, aber fettreich. Dabei wird fast vollständig auf Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Süßigkeiten verzichtet und dafür mehr Fett zu sich genommen. Hier wird auch Wert auf gesunde Fette, wie aus Olivenöl, Lachs, Avocado oder Nüssen gelegt. „Nach ca. drei bis vier Wochen hat sich der Körper daran gewöhnt und man kommt in den Stoffwechselzustand der Ketose. Dann nimmt sich der Körper die Energie aus den Fetten und nicht mehr aus dem Zucker“, so Dušan. Durch die fehlende Zuckerzufuhr baut der Körper nach und nach die Fettpölsterchen ab.

Dušan selbst ernährt sich zu 95 Prozent ketogen, ursprünglich um abzunehmen. Mittlerweile ist er jedoch so davon überzeugt, dass er einen Lebensstil daraus gemacht hat. Um trotzdem nicht auf Süßigkeiten verzichten zu müssen, hat er mit seinen Kollegen Slobodan Stojanovic und Nicola di Loreto 2019 das Startup KETOFABRIK gegründet.

Das Team von KETOFABRIK v.l.n.r.: Nicola di Loreto, Slobodan Stojanovic und Dušan Milekić. (Foto: KETOFABRIK)

 

Ein Riegel ohne Reue – mit nur einem Gramm Zucker

Weil herkömmliche Schokoriegel zu viel Zucker enthalten, entstand die Idee bei gemeinsamen Lernsessions an der FH Salzburg, wo sich die drei Gründer kennenlernten und mittlerweile vom FHStartup Center betreut werden. Bei der ketogenen Ernährung dürfen max. 30 Gramm Zucker am Tag eingenommen werden. Ein herkömmlicher Bounty-Riegel enthält aber allein bereits 15 Gramm Zucker und somit die Hälfte des erlaubten Zuckers pro Tag. Daher haben sie einen Riegel kreiert, der wenig Zucker enthält und sich nicht so stark auf den Blutzucker auswirkt.

Die Jungs haben zwei Riegel im Sortiment, die jeweils nur ein Gramm echten Zucker enthalten und mit natürlichen Süßungsmitteln gesüßt sind. Die Geschmacksrichtungen der Riegel sind Schoko-Kokos und Schoko-Erdbeere. Produziert werden sie übrigens in Österreich: mit der Gutschermühle in Traismauer haben sie eine zuverlässige Partnerin gefunden. Für die Zukunft sind weitere Produkte geplant, wie die „Ketobites“ – die Riegel in mundgerechter Bällchenform – und ketogene Eiscreme.

Rasche Umsetzung durch „2 Minuten 2 Millionen“

Im Oktober 2019 hat KETOFABRIK an der PULS4-Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ teilgenommen. Nach einem erfolgreichen Investment von Martin Rohla (geschäftsführender Gesellschafter der Goodshares Beteiligungs- und Beratungs GbmH) musste alles schnell gehen. Bis zur Ausstrahlung im Mai 2020 haben sie ihr Produkt fertiggestellt, die Verpackung designt und die Riegel erfolgreich bei Billa, Merkur und Bipa im Sortiment gelauncht. „Die Riegel sind jetzt direkt bei der Kassa im Regal – da kommen nur Produkte hin, die sich gut verkaufen. So konnten wir innerhalb von fünf Monaten eine halbe Million Riegel verkaufen und sind bei Billa bereits der am zweitmeisten verkaufte Schokoriegel“, teilt uns Dušan stolz mit.

Der meiste Absatz wird jedoch online erzielt: circa 60 Prozent über den eigenen Onlineshop. Eine Expansionsstrategie wird zurzeit für Deutschland erarbeitet, danach soll der Riegel europaweit verkauft werden. Die Zusammenarbeit mit Martin Rohla verläuft laut Dušan auch problemlos. Er vermittelt ihnen Kund*innen und gibt hilfreiche Tipps.

In der Startup Salzburg FACTORY wird an der Basis gefeilt

Derzeit ist das Team von KETOFABRIK Teil der Startup Salzburg FACTORY, wo es zusätzlich tatkräftig von seiner Mentorin Ingrid Will (ehemalige Leiterin des Rechnungswesens bei Unito) unterstützt wird. Durch die rasche Umsetzungsphase sind die Ausarbeitung von Strukturen und Prozessen zu kurz gekommen, was jetzt nachgeholt wird. Hier wird ihre Finanzstruktur aufgearbeitet und die Warenwirtschaft optimiert. „Wir sind in einer sehr intensiven Phase und freuen uns, dass wir viel voranbringen“, so Dušan. Nach der FACTORY wollen sie ihre Expansion nach Deutschland mit Zuhilfenahme der Go International Digitalisierungsförderung umsetzen, ihre Produktpalette erweitern und eine Plattform für Wissenstransfer schaffen.

KETOFABRIK soll nicht nur Produkte anbieten, sondern auch Wissen über ketogene Ernährung vermitteln. „Rund 80 Prozent des Übergewichts ist auf zu hohen Zuckerkonsum zurückzuführen“, sagt Dušan. Er möchte Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass viele Krankheiten durch zu viel Zucker entstehen. Sein angesammeltes Wissen wird er in Zukunft verbreiten, um die Welt ein bisschen gesünder zu machen.

Der Schokoriegel ohne Reue. (Foto: KETOFABRIK)

3 Fragen an KETOFABRIK

Wie hast du die Corona-Krise bis jetzt erlebt?

Wir waren schon betroffen, weil wir uns nicht mehr treffen und gemeinsam an unserem Projekt arbeiten konnten. Mit Videokonferenzen und dergleichen hat sich das dann aber eingependelt. Wir haben keine Vergleichswerte, da wir erst 2019 gegründet und ab Mai 2020 Umsätze generiert haben. In der Zeit haben wir den Covid-Startup-Hilfsfonds vom Austria Wirtschaftsservice in Anspruch genommen. Unser Glück war auf jeden Fall, dass wir ein Lebensmittel produzieren, das weiterhin im Einzelhandel verkauft werden kann. Wir haben aber bemerkt, dass die Bereitschaft, neue oder unbekannte Lebensmittel zu kaufen, in Krisenzeiten nicht so hoch ist. Daher erwarten wir einen Anstieg der Verkaufszahlen nach der Krise.

Was ist für dich ein gutes Leben?

Das wichtigste ist der Zugang zu guten und hochwertigen Lebensmitteln, ein gesunder Lebensstil und der Kontakt zu Familie und Freunden. Meine siebzig Stunden Arbeitszeit in der Woche teile ich mir gerne selbst ein und wenn ich das machen kann, was mir gefällt, macht es mir auch nichts aus, auch einmal zehn oder zwanzig Stunden in der Woche mehr zu arbeiten.

Wo siehst du dein Unternehmen in zehn Jahren?

Wir wollen in zehn Jahren der größte europäische Anbieter für ketogene Ernährung und ketogenes Wissen sein. Wir wollen einen großen Beitrag dazu geleistet haben, dass die Welt etwas gesünder ist, weil die Menschen weniger Zucker zu sich nehmen.

 

(Titelbild: KETOFABRIK)

Veröffentlicht am 21. Januar 2021

Als Steirerin liebt Laura Käferbohnen ertränkt in Kürbiskernöl. Nicht ganz so klischeehaft sind ihre Leidenschaft für philosophische Diskussionen, ihr kritischer Umgang mit digitalen Medien und ihr Drang, ständig etwas Neues zu lernen. Seit 2018 ist sie Teil der ITG, die sie hauptsächlich mit grafischen Arbeiten bereichert.

Ähnliche Beiträge