Von Trainings für Chirurg*innen über Holzurnen bis hin zu einem sozialen Netzwerk für Bauern und Bäuerinnen: Die Geschäftsideen der neuen FACTORY-Startups sind vielfältig. Mit dabei sind Newcomer aber auch ein paar bereits bekannte Gesichter.

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Ende Juni ging es für zehn von 20 Bewerber*innen für die Startup Salzburg FACTORY in die heiße Phase: Beim Pitch vor der Jury mussten sie in fünf knackigen Minuten zeigen, was in ihnen steckt. Danach folgten zehn Minuten Q&A durch die Jury, bestehend aus vier Expert*innen aus der Startup-Welt: Werner Wutscher (Gründer und Geschäftsführer von New Venture Scouting, Business Angel, Vorstand der aaia), Simone Weinbacher-Traun (Austria Wirtschaftsservice), Franz Fuchsberger (Senior Investor eQVenture) und Robert Richter (Heat of Startups & Incubation at WERK1 München).

Wie schon beim kürzlich vergangenen Demo Day, lief auch der diesjährige Jurypitch anders ab als gewohnt. Als Steuerungszentrale fungierte wieder das Startup Studio, von hier aus wurden die FACTORY-Bewerber*innen und die Jury live in den MS Teams Videocall zugeschaltet. Die räumliche Distanz tat der Qualität der Pitches aber keinen Abbruch und die Startups präsentierten sich durch die Bank authentisch und waren gut vorbereitet.

Das Startup Studio wurde zur Hauptzentrale des Jurypitches. (Foto: ITG/Andrea Kurz)

Ein fruchtbarer Boden für Startups

Auch die Juror*innen zeigten sich beeindruckt durch die hohe Qualität der Präsentationen: „Auffällig ist die große Vielfalt an Projekten hier in Salzburg mit Geschäftsideen aus unterschiedlichsten Bereichen. Zudem haben die Projekte schon ein sehr gutes Niveau, was wiederum die hohe Qualität der Ausbildungsstätten in Salzburg widerspiegelt. Außerdem hat das Netzwerk Startup Salzburg wesentlich dazu beigetragen, dass Salzburg ein Hotspot geworden ist“, resümierte Jurorin Simone Weinbacher-Traun vom Austria Wirtschaftsservice (aws). „Wir sind froh, dass die Corona-Krise dem Entrepreneurship in Salzburg nichts anhaben kann. Im Gegenteil, die Qualität der Bewerbungen ist sehr hoch. Ein Beweis dafür, dass die Arbeit der Netzwerkinitiative Startup Salzburg fruchtet“, sagte FACTORY-Koordinator Lorenz Maschke vom Startup Salzburg Service-Point bei der Wirtschaftskammer Salzburg.

Der Jurypitch aus Sicht der Koordinator*innen. (Foto: ITG/Andrea Kurz)

Aufgenommen wurden am Ende sieben Startups, die wir euch in alphabetischer Reihenfolge vorstellen möchten. Außerdem haben uns die Gründer*innen verraten, was sie sich von der Teilnahme an der FACTORY erwarten.

 

edelzweig – Individuelle Holzurnen zur Erinnerung

Florian (links) und Bernhard von edelzweig. (Foto: edelzweig)

Edelzweig fertigen Urnen, die mit Hölzern vom Lieblingsbaum oder aus der Lieblingsregion der verstorbenen Personen gemacht werden. Dafür haben die Gründer Florian Gschweidl und Bernhard Lapusch ein eigenes Trocknungssystem entwickelt, mit dem Holz innerhalb von zwei Stunden trocken ist. Ebenso verwenden sie das selbst entwickelte Gießharz, das zu hundert Prozent natürlich ist.

Die Skills dafür haben sie aus dem Holztechnologie-Studium an der FH Salzburg. Nachhaltigkeit wird bei edelzweig großgeschrieben: es werden nur Holzreste genommen, der Baum lebt weiter. Dafür arbeiten sie mit Holzfirmen aus verschiedenen Regionen zusammen. „Nachdem wir regional bereits am Markt vertreten sind und positives Feedback erhalten haben, ist unser Ziel für die FACTORY vor allem der Aufbau des Vertriebs und die Skalierung unseres Geschäftsmodells. In diesen Bereichen fehlt uns das Know-how und durch die Unterstützung über Workshops, Mentoring und Coachings wollen wir auch hier unser Wissen erweitern, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen,“ sagt Florian über die Aufnahme in die FACTORY. In Zukunft möchten sie außerdem Tierurnen, Aschekapseln, Särge und sogar Möbel herstellen und international expandieren.

www.edelzweig.at

Vor rund einem Jahr haben wir schon einmal über edelzweig berichtet.

 

farmlifes GmbH – Das Netzwerk für die Landwirtschaft

Lisa und Herbert von farmlifes. (Foto: farmlifes)

Farmlifes wurde 2019 von Lisa Rieder und Herbert Astl gegründet. Seit April 2020 gibt es die zugehörige App. Im sozialen Netzwerk für die Landwirtschaft tauschen sich derzeit bereits 2.600 Bauern und Bäuerinnen sowie 400 Betriebe aus. Bei farmlifes vernetzen sie sich gegenseitig und verkaufen Tiere, Produkte oder Maschinen im regionalen Umfeld. In weiterer Folge möchten sie Händler dazunehmen, Sammelbestellungen tätigen und auch Provisionen möglich machen. Ebenso soll der auf den Produkten anbringbare Farmcode perfektioniert werden, bei dessen Scan man auf das Hofprofil kommt.

„Wir sind überglücklich, dass wir bei der Startup Salzburg FACTORY mit dabei sein dürfen. Neben dem vielversprechenden Mentoring-Programm ist die FACTORY einfach eine tolle Plattform, um sich mit anderen Startup-Gründer*innen über Zukunftsvisionen und Problemstellungen auszutauschen. Im Inkubationsprogramm können wir uns nun komplett auf die Entwicklung des farmlifes Farmcodes konzentrieren und gemeinsam mit erfahren Mentor*innen die besten Strategien ausarbeiten. Wir freuen uns, nun auch offiziell ein Teil der Startup Salzburg Community zu sein“, sagen die beiden Gründer*innen.

www.farmlifes.com

 

Ketofabrik GmbH – Naschen mit gutem Gewissen

(v. l. n. r.) Dusan, Slobodan und Nicola von Ketofabrik bei „2 Minuten 2 Millionen“. (Foto: PULS4/Gerry Frank)

Ketofabrik kennt man spätestens seit ihrem Auftriff bei der TV-Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“. Dort ist ihnen die Listung bei Rewe geglückt und mittlerweile sind die ketogenen Riegel bei Billa, Bipa und Merkur erhältlich. Der Geschmack steht bei Ketofabrik im Vordergrund. Das wissen auch die Kund*innen zu schätzen: Nachdem es sehr gutes Feedback hagelte, sind die Schokoriegel österreichweit nun an der Kassa platziert.

Die drei Gründer Dusan Milekic, Slobodan Stojanovic und Nicola Di Loreto haben sich beim Studium an der FH Salzburg kennengelernt. Da sich Dusan seit ein paar Jahren ketogen ernährt, durfte er nie mitnaschen, wenn sich die Freunde getroffen haben. Das konnten Slobodan und Nicola nicht auf sich sitzen lassen. Und schon haben sie die Idee für die ketogenen Schokoriegel entwickelt. Denn für „keto on the go“ gibt es praktisch keine Produkte und heute stellen Ketofabrik die ersten ketogenen Riegel her, die im Supermarkt erhältlich sind.

Wie solls in der FACTORY weitergehen? „Bei uns ist alles sehr schnell gegangen. Aber durch dieses rasante Wachstum in den vergangenen Monaten, konnten wir nicht alle Hausaufgaben erledigen – etwa was unsere Strategie oder unser Controlling betrifft. Das hoffen wir in der Startup Salzburg FACTORY nachholen zu können“, erklärt Dusan. Ketofabrik ist ein weiteres erfolgreiches Startup, das vom Startup Salzburg Service-Point am FHStartup Center betreut wird.

www.ketofabrik.com

 

SWAIG – Für einen gesunden Rücken

Lukas von SWAIG. (Foto: SWAIG)

Den Uni Salzburg Studenten Lukas Schwaiger und sein Produkt SWAIG kennt man ebenfalls von „2 Minuten 2 Millionen“. Seine wärmenden Faszienrollen kombinieren Massage und Wärmetherapie und sind seit kurzem im Mediashop erhältlich. Fun fact: Sein Pitch hat einen Juror sogar so überzeugt, dass er sich quasi live eine SWAIG-Rolle bestellt hat.

Lukas freut sich auf die Aufnahme ins Inkubationsprogramm und wird es nützen, um den nächsten großen Schritt zu tun: „Die Startup Salzburg FACTORY ermöglicht mir durch Coachings und das Expert*innenwissen der Betreuer*innen und Mentor*innen mein Unternehmen SWAIG und mich selbst als Unternehmer in Sachen Entrepreneurship weiterzuentwickeln. Das Förderprogramm ist eine super Unterstützung, um unser Produkt erfolgreich am Markt zu etablieren und als junges Unternehmen gestärkt in eine erfolgreiche Zukunft zu gehen.“

www.swaig.at

Auch über SWAIG haben wir schon einmal im Blog berichtet.

 

Viabirds Technologies GmbH – Revolution im Onlinehandel

Martin von Viabirds. (Foto: Viabirds)

„Ich finde die Startup Salzburg FACTORY eine tolle Initiative, um den Standort Salzburg für Startups attraktiver zu machen. Wir hoffen, uns durch die FACTORY das nötige Rüstzeug für ein durchdachtes internationales Wachstum anzueignen. Wir freuen uns insbesondere auf den Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen und auf mögliche Synergien, die dadurch entstehen können“, sagt Martin Macheiner von Viabirds Technologies über die Aufnahme im Inkubationsprogramm.

Das Startup, das er gemeinsam mit Alexander Planitzer gegründet hat, will den Lieferservice revolutionieren und den Alltag von Pendler*innen erleichtern: Die Kund*innen bestellen die gewünschten Produkte von verschiedenen Anbietern im Onlineshop, geliefert wird an die ausgesuchte Flyby-Station, die sich an einer Tankstelle oder einem anderen verkehrstechnisch guten Punkt befindet. Am Heimweg holen die Pendler*innen ihren Einkauf dann schnell und bequem bei der Flyby-Station ab. Im Lungau wird das Service bereits angeboten.

www.viabirds.com

 

Vocationeers GmbH – Das Google der Chirurgie

(v. l. n. r.) Werner, Philipp und Karl von Vocationeers. (Foto: Vocationeers)

„Chirurgie ist im Grunde ein hochspezialisiertes Handwerk“, mit diesem Satz überraschte der Gründer Werner Korb beim Pitch. Das Problem liegt im Training von Chirurg*innen. Denn diese haben im Krankenhaus oft nur wenig Zeit. Und auch Expert*innen können häufig keine guten Kurse abhalten, weil ihnen ebenso die Zeit dazu fehlt. Vocationeers schafft hier Abhilfe und hilft, das chirurgische Wissen zu teilen. Mit der digitalen Trainingsplattform „mySebastian“ (das steht übrigens für „Sensor Based Surgery Training – Integrated System and Analytics“) für Mediziner*innen und Chirurg*innen werden Inhalte weltweit verfügbar gemacht. Auch die Schulung an neuen MedTech-Geräten ist damit möglich.

„Von der FACTORY erwarten wir uns die Unterstützung beim Wachstum von einem kleinen Startup in einer ersten Innovationsphase zu einem internationalen Anbieter von Software und Dienstleistungen im medizinischen und chirurgischen Training. Dazu benötigen wir auf jeden Fall viel Personal (Software-Entwickler*innen, UX-Expert*innen, etc.) sowie eine gute Marketing- und Sales-Strategie. Wir wollen von guten Mentor*innen gecoacht werden – die wir in der Startup Salzburg FACTORY kennenlernen werden“, sagt der Gründer Werner Korb über die Teilnahme.

www.vocationeers.at

 

XR Synergies GmbH Patient*innen-Aufklärung mit VR

Marie-Isabelle (links) und Heidelinde von XR Synergies. (Foto: www.the-ninth.com)

Die Gründerinnen Marie-Isabelle Batthyány und Heidelinde Kranzl wollen Patient*innen mit Virtual Reality (VR) vor Operationen aufklären. Denn aufgrund von Zeit- und Ressourcenmangel werden medizinische Inhalte oft mehr schlecht als recht vermittelt. Hier setzt die Idee von XR Synergies an: Die Patient*innen bekommen ein VR-Headset aufgesetzt, darin erklärt eine Ärztin oder ein Arzt in einem voraufgenommenen Inhalt die Abläufe und Verfahren des bevorstehenden Eingriffs. Dabei stehen die Patient*innen im Mittelpunkt. Mit Eyetracking ist außerdem nachvollziehbar, ob die Patient*innen die Inhalte wirklich gesehen haben. Das hilft auch der Ärztin oder dem Arzt bei der Dokumentation. Ein persönliches Gespräch wird dadurch aber nicht ersetzt.

Und was erwarten sie sich von der FACTORY? „Die Teilnahme an der FACTORY bedeutet für uns die Chance, mit professioneller Unterstützung am Product-Market-Fit zu arbeiten und mit den Sparringpartner*innen der FACTORY Antworten auf Implementierungshürden zu finden, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln und schließlich den Markt zu erobern. Wir von XR Synergies sind froh, den Standort Salzburg für uns entdeckt zu haben und freuen uns nicht nur auf die Zeit und den Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen, sondern auch auf eine spannende und dynamische Zusammenarbeit mit der FACTORY und unseren Mentor*innen!“, so Marie-Isabelle Batthyany.

twitter.com/XRSynergies

 

Wie gehts jetzt weiter für die sieben FACTORY-Startups?

„Im nächsten Schritt geht es darum, dass sich die Teams untereinander kennenlernen und ihre individuellen Roadmaps entwickeln. Darauf basierend suchen wir dann aus der Salzburger Unternehmer*innenschaft passende Mentorinnen und Mentoren aus, die die Teams in ihrer Entwicklung begleiten“, weiß Kathi Lugstein vom Startup Salzburg Service-Point bei der Wirtschaftskammer Salzburg. In den nächsten Monaten warten intensives Coaching, spezielle Trainings und die Teilnahme an diversen Netzwerkformaten auf die Startups. Sie werden ihre Geschäftsideen prüfen, ausfeilen und große Schritte in Richtung Professionalisierung gehen. Am Ende sollen ihre Produkte und Services fit für den Markteintritt sein und sich die Gründer*innen weiterentwickelt haben. Oder wie es Lorenz Maschke ausdrückt: „Unsere Inkubationsprogramme entwickeln Unternehmer*innen-Persönlichkeiten“.

Es darf gefeiert werden! (Foto: Jason Dent on Unsplah)

PS: In den nächsten Monaten werden ihr noch mehr von den neuen FACTORY-Startups hören.

 

(Titelbild: Jason Leung on Unsplash)

Veröffentlicht am 30. Juni 2020

Interessiert an allem, was nicht der Norm entspricht, und ausgestattet mit einem gewaltigen Wissensdurst, ist sie für Startup Salzburg und die ITG – Innovationsservice für Salzburg auf der Jagd nach herausragenden Ideen und den Geschichten der Menschen dahinter. Als studierte Archäologin ist sie der Überzeugung, dass man Fortschritt und Innovation nicht aufhalten kann – als Kommunikationsprofi weiß sie, dass man darüber berichten muss.

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