Wie lernen eigentlich Chirurg:innen? Hoffentlich bald mit der neuen digitalen Lern- und Lehrplattform MYSEBASTIAN von den Vocationeers. Wir stellen euch das MedTech-Startup vor.

Startups

Habt ihr gewusst, dass es in der Medizin und Medizintechnik derzeit keine Möglichkeiten gibt, hochwertigen, klinischen Lehr- und Lerncontent einfach aufzuarbeiten und mit der Community zu teilen? Nein?! Wir auch nicht! Das MedTech-Startup Vocationeers aus Hallein schafft hier Abhilfe und hat mit MYSEBASTIAN eine entsprechende Online-Plattform entwickelt.

MYSEBASTIAN ist ein Lern- und Contentmanagement-System, mit dem Wissen individualisierbar wird und trotzdem vergleichbar bleibt. Was das bedeutet, lassen wir am besten Vocationeers-Gründer und -Geschäftsführer Werner Korb selbst erklären: „Die Behandlung der Patient:innen ist sehr individuell, das liegt einerseits an ihren jeweiligen besonderen Bedürfnissen, andererseits an den Chirurg:innen selbst. Denn diese operieren immer so, wie sie denken, dass es am besten ist. Auch haben sie sich im Laufe der Zeit ihre eigenen, speziellen Behandlungsmethoden angeeignet und entwickelt, die sie natürlich auch anwenden wollen. Mit MYSEBASTIAN können alle ihre spezifischen Behandlungsmethoden lehren, miteinander vergleichen und auch anpassen. Man kann sich zum Beispiel ansehen, wie Ärztinnen und Ärtze in Indien, New York oder Tokyo eine Operation durchführen, wie sie Schritt für Schritt dabei vorgehen oder welche Instrumente sie dabei verwenden. Ich kann meinen Workflow also mit Dr. XY aus Tokyo teilen und sie um ihre Expertise dazu bitten. So können sich die Chirurg:innen untereinander weltweit vernetzen.“

Klinisches Wissen digitalisieren

Die Plattform richtet sich an Healthcare Professionals aller Disziplinen, an Krankenhäuser, Trainingszentren und Medizintechnik-Unternehmen. „Wir wollen die führende Plattform für den Austausch für Fachwissen im Healthcare-Sektor werden und dabei trotzdem unabhängig bleiben“, sagt Werner. Nutzen können MYSEBASTIAN Personen, die lehren und Personen, die lernen. Man kann die Plattform vergleichen mit einer Mischung aus Linkedin, Youtube und Google für Chirurg:innen.

MYSEBASTIAN ist die erste digitale Web-Plattform für klinische Expert:innen, welche die eigene Expertise für verschiedene Zwecke verfügbar und einsatzbar macht. Anwendungsbereiche sind in der Lehre, auf Kongressen, Case-Discussions, in Präsentationen, bei Produktschulungen und vielem mehr. Mithilfe von digitalen Tools und einem einzigartigen UX-Konzept wird medizinisches Wissen demokratisiert – für die Sicherheit der Patient:innen.

Das sind die Vocationeers

Gegründet wurden die Vocationeers von Werner Korb. Werner ist seit über 20 Jahren wissenschaftlich in der Chirurgie und Medizintechnik tätig. Er ist Informatiker und Human Factors Experte. Außerdem hat er schon mehrere chirurgische Trainingssimulatoren und Patente entwickelt, darunter etwa den Wirbelsäulensimulator RealSpine. Irgendwann kam bei ihm der Wunsch auf, klinisches Wissen in einer neuen Form zu digitalisieren. So entstanden die Vocationeers.

Mit an Bord sind Chef-Entwickler Karl Frank, Forschungs- und Entwicklungsexperte Philipp Gernerth und die Programmierer Mike Silbergasser und Tobias Neumann. Ebenso konnten sie vor Kurzem den renommierten Chirurgen Karl Miller für ihren klinischen Beirat gewinnen und Michael Reiter von W&H als Mentor. Der Name „Vocationeers“ setzt sich übrigens zusammen aus „vocatio“ (lat. für Berufung) und „engineers“ (engl. für Ingenieure). Vocationeers verstehen sich also als Ingenieure aus Berufung.

Die Vocationeers (v. l. n. r.): Karl Frank, Philipp Gernerth, Mike Silbergasser und Werner Korb. (Foto: Vocationeers)

Ohne Moos nix los

Weil Berufung aber alleine nicht reicht, um ein Startup aufzubauen, setzen die Vocationeers auf einen Mix aus Förderungen, Investments und Crowdfunding bei der Finanzierung. Unterstützt werden sie in diesen Belangen vom ITG – Innovationsservice für Salzburg und von Startup Salzburg. Aktuell nehmen sie an der fünften Runde unseres Inkubationsprogramms FACTORY teil. Neben der FACTORY-Förderung des Landes Salzburg, Investor:innen, stillen Beteiligungen und dem aws Covid-19-Hilfsfonds für Startups, haben sie eine FFG-Förderung für die Entwicklung von MYSEBASTIAN eingeworben. Außerdem setzen sie auf die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus Industrie, Medizin und Bildung. Gelauncht werden soll noch dieses Jahr. Dann können Ärzt:innen und Chirurg:innen die Plattform in einer ersten Phase kostenlos testen.

Drei Fragen an die Vocationeers

Was war euer größter Erfolg mit den Vocationeers?

Wir haben in sehr kurzer Zeit großes Aufsehen in der Community provoziert, zum Beispiel über Linkedin, und top Feedback von international renommierten Expert:innen erhalten. Zudem haben wir im Herbst 2020 unseren ersten wichtigen strategischen Investor gefunden.

Das kling spannend! Könnt ihr uns etwas mehr darüber erzählen?

Ja, das war wirklich ein spannender Sommerkrimi. Jedoch hat schlussendlich alles geklappt und wir konnten einen tollen Investor überzeugen, womit ein erster Liquiditätsengpass in dieser frühen Phase überwunden wurde. Dr. Karl Miller ist ein international renommierter Chirurg und unterstützt uns mit seiner klinischen Expertise und einem starken Netzwerk.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir möchten die Beta-Version von MYSEBASTIAN technisch weiterentwickeln bis zum geplanten offiziellen Launch im Sommer 2021. Außerdem brauchen wir mehr Mitarbeiter:innen. Aktuell suchen wir eine:n Web-Developer. Wir wollen unser Marketing- und Sales-Konzept entwickeln und aufbauen. Abschließend soll das Medical Adivsory Board für die klinische Evaluierung erweitert werden. Wir haben also viel vor.

(Titelbild: Jafar Ahmed on Unsplash)

Veröffentlicht am 3. März 2021

Interessiert an allem, was nicht der Norm entspricht, und ausgestattet mit einem gewaltigen Wissensdurst, ist sie für Startup Salzburg und die ITG – Innovationsservice für Salzburg auf der Jagd nach herausragenden Ideen und den Geschichten der Menschen dahinter. Als studierte Archäologin ist sie der Überzeugung, dass man Fortschritt und Innovation nicht aufhalten kann – als Kommunikationsprofi weiß sie, dass man darüber berichten muss.

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