Sie halfen sich gegenseitig beim Masterprojekt, dann verhalf ihnen das daraus entstandene Spiel zur Gründung ihres eigenen Unternehmens – Flat Head Studio. Jetzt soll ihnen die FACTORY #6 auf dem Weg zur erfolgreichen Marktstrategie helfen. Spieler:innen müssen sich im Game allerdings selbst helfen …

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Hilflos waren die vier jungen Gründer:innen nie. Sie lernten sich während des Studiums MultiMediaTechnology und MultiMediaArt an der FH Salzburg kennen und kamen durch das gemeinsame Masterprojekt auf die Spielidee zu „Help Yourself“. Mit der Spieleentwicklung des Virtual Reality (VR) Games begeisterten sie Gamer:innen von der ersten Minute an.

Multitalente unter sich

Während Melanie „Melle“ Bartl als Lead-Artist die Visualisierung des Spiels gestaltet, kümmert sie sich außerdem mit Daniel Wiendl, dem Tech-Lead, um das Marketing. Daniel ist noch für den finanziellen Bereich des jungen Unternehmens zuständig und wird dabei von Philipp Sigl unterstützt. Der wiederum ist mit Arnold Holler hauptsächlich für die Programmierung des Spiels verantwortlich. Zwei Freelancer unterstützen das Team zusätzlich mit Audio und 3D-Art. „Wenn man so eine kleine Truppe ist, dann muss man eben vieles selbst machen. Aber das geht bei uns gut, wir sind ein super Team und haben eine coole Ausbildung von der FH“, sagt Daniel.

Nach der ersten Entwicklungsphase wollten die vier ihre Demoversion testen lassen. „Wir haben das Spiel auf der Plattform SideQuest veröffentlicht, damit unsere Studienkolleg:innen dazu Feedback geben können.“ Lange blieb es aber nicht bei den Kommiliton:innen – die Spieler:innen wurden mehr, genauso wie die guten Reviews und Bewertungen. Damit wurde ihnen plötzlich bewusst, dass das Spiel tatsächlich am Markt funktionieren würde, und sahen zum ersten Mal ganz klar die Möglichkeit, ein Unternehmen gründen zu können. Der inoffizielle Start von Flat Head Studio.

 

Voraussetzung: ein VR-Headset von Oculus

Spielen können allerdings nur die, die im Besitz eines Oculus Quest VR-Headsets sind. Heruntergeladen wird das Spiel beispielsweise auf SideQuest, einem inoffiziellen Store für die Oculus Quest. Dort gibt es einige Games in der Demoversion, wie eben „Help Yourself“, das übrigens im Sommer 2022 fertig sein soll. Derweil gibt es nur die erste kleine (dafür aber kostenlose) Version. „Es sind in der Demoversion rund ein bis zwei Stunden Spielzeit“, so Daniel. Mittlerweile ist das Spiel auch auf den Spieleplattformen Steam und Oculus App Lab zu finden. Das Spiel wird jedenfalls direkt nach dem Download auf dem Headset installiert und zusammen mit den Kontrollern, die in den Händen gehalten werden, gespielt. Das Programm misst dabei mit eingebauten Kameras im Kopfteil die Umgebung und gibt das dadurch entstehende Bewegungsbild als virtuellen Avatar im virtuellen Spiel wieder.

Next Level: Me, Myself and I

Das Geheimrezept des Spiels liegt womöglich auch in der einfachen Bedienbarkeit, die einen wichtigen Grund hat: Um „Motion Sickness“, eine Art Seekrankheit zu vermeiden, die bei VR-Spielen entstehen kann. Damit Spieler:innen nicht schlecht wird, wurden körperliche Tätigkeiten simpel und realistisch gehalten. Die Player:innen müssen zum Beispiel werfen, schießen oder sich bücken, um verschiedene Challenges zu bewältigen. Das Game zählt damit zur Kategorie der „First Person Shooter and Puzzle Games“, in denen es hauptsächlich darum geht, aufregende Rätsel zu lösen.

Helfen müssen sich Spieler:innen – wie der Name „Help Yourself“ schon sagt – selbst. „Man ist in einer Zeitschleife gefangen und setzt Aktionen, zum Beispiel wirft man etwas. Wenn die Zeit abläuft, beginnt eine neue Zeitschleife“, erklärt Daniel. Alle Bewegungen, wie das Werfen, werden dann von einem Klon wiedergegeben. Die Gamer:innen können so eigene Klone erschaffen und mit ihnen interagieren. „Man muss also vorausschauend denken, welche Dinge von dem ersten Klon benötigt werden, damit der neue Klon mit ihm agieren kann.“

Die maschinelle Bedrohung

Das Konzept hat sogar einen zeitgeistlichen und idealistischen Hintergrund – die Klimakrise. Die Spieler:innen nehmen die Gestalt von Pflanzenwesen ein, die Melle gezeichnet und erarbeitet hat. „Die Story im Game ist derzeit noch in der Entwicklung aber die generelle Idee ist die, dass man als Sprössling von Mutter Natur gegen Maschinen kämpft, die die Welt überrollen, die die Natur roden und abholzen“, sagt Daniel. Die Game Designer:innen geben aber zu bedenken, dass sich die Letztversion deutlich von der Demoversion unterscheiden können. Immerhin sind sie noch mitten in der Entwicklung, es könnten sich daher noch weitere Features ergeben, die dann womöglich das Konzept verändern.

Die FACTORY

Nach der Selbsthilfe ist doch auch mal Fremdhilfe gefragt. Darum haben sie das Flat Head Studio bei der Bewerbungsphase der FACTORY ins Rennen geschickt – angestoßen durch Natasa, ihrer Mentorin beim FH Startup Center. „Sie hat uns auf das FACTORY-Programm aufmerksam gemacht und wir haben uns daraufhin beworben“, so Daniel. Nachdem sie mühelos den Sprung in die FACTORY geschafft haben, freuen sie sich nun auf die Arbeit mit den Coaches. Das Vertriebskonzept und die Vermarktung des Spiels sollen dabei der Fokus sein. „Auf das Mentoring aus der Spieleindustrie und der Wirtschaft sind wir auch schon sehr gespannt. Ich glaube, da können wir viel mitnehmen.“ Bis sich alle vier vollends der Arbeit bei Flat Head Studio widmen können und der Verkauf des Spiels die ersten Umsätze bringt, muss aber noch die ein oder andere Prüfung absolviert werden. Game on also für das nächste Level!

 

3 Fragen an Daniel von Flat Head Studio:

 

Ihr seid nicht das erste Startup, das aus der FH Salzburg entstanden ist – was macht die FH hier so richtig deiner Meinung nach?

Das Startup Center an der FH und Natasa als Coach dort sind sehr engagiert. Es hat sich nach all der Zeit schon herumgesprochen, dass es das Center gibt und man sich, wenn man Support braucht, an sie wenden kann. Auch die Dozent:innen sind für uns Studierende da, weisen uns zum Startup Center, wenn wir eine interessante Idee haben.

Wie finanziert ihr euch, bis das Spiel auf dem Markt verkauft wird?

Eigentlich derzeit nur von Förderungen, weil die Demoversion unseres Spiels ja noch kostenlos ist. Wir haben es in das Creative Impact Programm des aws Austria Wirtschaftsservice geschafft, das ist auch ein Inkubationsservice. Und wir sind auch im Oculus Förderungsprogramm Oculus Start, bekommen dort Hardware und Support. Davon haben wir irgendwo online erfahren und haben uns einfach beworben.

Wie stellt ihr euch die Zukunft vor?

Wir schauen mal, wie „Help Yourself“ funktioniert, wenn die finale Version zum Verkauf online ist. Außerdem wollen wir kleinere Spiele entwickeln, die wir schnell veröffentlichen können, um zu sehen, wie sie am Markt funktionieren. Unser Fokus soll dabei auf VR bleiben.

 

(Copyright Bilder: Flat Head Studio)

Veröffentlicht am 10. Dezember 2021

Auf Schreibwiesen laufend, wie in Sound of Music, nur eben anders. Nach Wien kam London dann Salzburg und jetzt wieder Wien. Mit Salzburg im Herzen hört sie sich nun weiterhin im Einsatz für Startup Salzburg nach spannenden Geschichten und Menschen um.

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