Egal, ob du anfassbare Produkte, Software, Apps oder Dienstleistungen anbieten willst: du solltest frühzeitig überprüfen, ob du das triffst, was die Kund*innen wollen. Am besten eignet sich dafür ein Prototyp. Wir zeigen dir, wie du Protyping angehen kannst (kein Anspruch auf Vollständigkeit!)

How to

Mit Hilfe eines Prototyps können dir nicht nur potenzielle Käufer*innen schnell und konstruktiv Feedback geben. Du siehst auch gleich, was nicht so hinhaut, wie du es dir vorgestellt hast. Manchmal sind nur kleine Änderungen notwendig, um einen höheren Nutzen zu schaffen. Es kann sogar sein, dass die Tester*innen das Produkt gar nicht verwenden wollen. Das bemerkst du allerdings meist nur, wenn du gut hinhörst. Auch das ist eine Chance, denn du ersparst dir einem frühen Stadium bereits viel Geld und Zeit.

 

Ich bastel mir die Welt, wie sie mir gefällt…

…und überprüfe, was die Kunden dazu sagen

Für eine erste Vorstellung des Produkts, reicht es schon, mit Papier, Stiften, Plastilin, Lego, etc. an die Sache heranzugehen. Es geht darum, ein Gefühl für die Form, für das Design und die Funktion zu vermitteln. Du kannst damit erste Feedbackrunden starten und in einer frühen Phase schon herausfinden, welche Änderungen dein Produkt nötig haben wird. Du kennst es selbst: wenn du etwas in der Hand hältst, kannst du viel treffender deine Meinung dazu sagen, als wenn dir etwas theoretisch vorgestellt wird.

Kosten: je nach Kinderaufkommen in der näheren Umgebung: 0 – 160 Euro (wenn du dir z.B. fertige Bastelboxen kaufst)

Wie Prototyping in den Designprozess eingebaut wird: Design Thinking

Der erste Bastelprototyp soll es natürlich nicht gewesen sein. Bau das Feedback immer wieder in weitere Objekte ein und überprüf dein Ergebnis regelmäßig, um nicht zu weit in die falsche Richtung zu laufen. Später kommt es natürlich auch darauf an, die Produktfunktionen zu testen und zu sehen, wie Einzelteile zueinander passen. Wenn du bereits über Schere und Papier hinaus bist, kannst du auch die Angebote des Happylab Salzburg nutzen: mit dem Laser Cutter kannst du unterschiedliche Materialien schneiden und gravieren, im 3D-Drucker wird dein Modell aus Kunststoff erstellt und mit der CNC-Fräse ist es möglich, 2D und 3D-Objekte aus Holz, Kunststoff und Metall zu bearbeiten (wie eindrucksvoll am Titelbild erkennbar).

Kosten: 9 – 49 Euro für eine Happylab Mitgliedschaft pro Monat mit einer Mindestlaufzeit von 3 Monaten. Materialien kannst du entweder selbst mitbringen oder vor Ort kaufen.    

 

So erstellst du den Prototyp für eine App

Gerade die Usability oder ob der Weg der User durch deine Anwendung richtig angelegt ist (Customer Journey), gehört getestet – zumindest sofern du nicht am Schluss alles nochmal umwerfen möchtest. Alleine die Erstellung eines Prototypen zwingt dich außerdem, deine Idee genauer zu durchdenken.

 

Idee, Schere, Papier

Die erste und einfachste Art ist auch hier der Prototyp mit Stift und Papier. Das hat auch den Vorteil, dass die Idee grob skizziert bleibt und du das Wesentliche vermitteln kannst. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: je genauer ein Entwurf ist, desto eher werden Farben oder einzelne Icons bewertet statt der Gesamtidee. Willst du mit Vorlagen arbeiten, gibt es dafür wirklich Vieles zum kostenlosen Download.

Kostenlos.

 

Die coolen Tools

Balsamiq

Willst du deine Papier-Entwürfe schnell in einen digitalen Prototypen übersetzen, kommt POP – Prototyping on paper in Frage. Entwürfe fotografieren und los geht’s. Schnelle und einfache Prototypen lassen sich auch mit Balsamiq erstellen. Diese sehen aus wie Skizzen, der Entwurfsstatus des Ganzen ist also ebenfalls klar ersichtlich. Das Bild oben gehört zu einem Beitrag von UX-Designer Pavithra Aravindan, in dem sie die ersten Schritte zum Start mit Balsamiq erklärt.

Kosten: POP: kostenlos.

Balsamiq: Zwischen 9 (bis zu zwei Projekte) und 199 (bis 200 Projekte) Dollar pro Monat.

 

InVision

Mit Proto.io bist du einen Schritt weiter und machst deinen Prototypen direkt digital für alle Arten von Displays. Bibliotheken mit verschiedensten Icons und Grafiken sind enthalten. Das Ganze sieht schon recht fertig aus. Du kannst aber auch Designs aus Photoshop einspielen. Wenn es um Letzteres geht, also Designs in einen interaktiven Protoypen zu verwandeln, ist InVision, eines der populärsten Prototyp-Programme. Das Bild oben zeigt, wie hier auch Feedback ganz einfach eingeholt werden kann. InVision bietet mit Craft außerdem ein Plugin für Sketch an, das neben anderen Funktionen auch Prototyping mitbringt. Natürlich hat auch Adobe etwas auf Lager: Adobe XD. Es enthält viele vordefinierte Elemente und unterstützt UI-Kits von Apple und Google.

Kosten: proto.io: 288 – 1.920 Dollar jährlich. Freelancer zahlen den geringsten Betrag, für Startups mit bis zu zwei Usern werden 480 Dollar fällig.

InVision: Ein Prototyp ist kostenlos. Wenn du bei InVision mehr als einen bearbeiten willst, kostet es zwischen 15 und 99 Dollar pro Monat.

Craft Plugin für Sketch: kostenlos, Sketch: 99 Dollar/Jahr

Adobe XD: Das Starter Abo zur Bearbeitung eines Designs und eines Prototypen ist kostenlos. Unbegrenzt nutzen kannst du XD für 11,99/Monat.

 

Bilder sagen mehr als tausend Worte: Video Prototyping

Wenn du eine neuartige Dienstleistung anbieten willst, wirst du es mit Lego und Plastilin eher schwer haben. Hier bietet es sich an, ein Kurzvideo zu machen und deine Idee auf diese Art zu visualisieren. Dafür reichen Stift, Papier, eventuell auch Darsteller*innen und deine Smartphone-Kamera. Video Prototyping ist allerdings nicht auf Dienstleistungen beschränkt, du kannst natürlich auch ein Produkt, seine Funktionalität und seinen Nutzen per Video darstellen. Der Vorteil ist, dass du damit mehr Leute erreichst, als wenn du alle persönlich abklapperst. Auch sind Abläufe per Video einfacher zu erfassen als via Text. Im folgenden Video wird dir anhand dieser Techniken erklärt, wie es abläuft.

Kostenlos

Video prototyping from nod-A on Vimeo.

 

Kritik – besser früher als zu spät

Niemand hat sofort die perfekte Idee und Umsetzung parat.  Prototypen verhelfen dir bereits früh, kostengünstig, schnell und einfach zum konstruktiven Feedback – vorausgesetzt natürlich, du zeigst ihn auch her! Es wird einige bis viele Anpassungen erfordern, bis die User den größtmöglichen Nutzen haben. Nimm das Feedback ernst und die wirst deine Idee weiterentwickeln können. Besser sind kleine Fails zu Beginn als der große Reinfall am Ende!

 

Fotos: Titelbild: Happylab Salzburg, Adobe Stock, Pavithra Aravindan, InVision

Veröffentlicht am 24. Mai 2018

Als Kommunikations-Verantwortliche beim Startup Salzburg Partner
ITG – Innovationsservice für Salzburg beschäftigt sich Kerstin von Anfang an mit diesem Blog. Meist koordinierend, manchmal schreibend, immer interessiert an der Startup Welt.

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