Das Fest der Liebe, die Zeit der Wohltätigkeit und Nächstenliebe. Mit unserem letzten Blogbeitrag 2017 wollen wir euch eine nicht ganz so klassische Unternehmung vorstellen. Fairmatching ist ein gemeinnütziger Verein, der im Mai 2016 gegründet wurde um Flüchtlingen in Salzburg mit passenden Unternehmen zu matchen und so zu fairen Jobs zu helfen.

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Bei Punsch und „von Mama gemachtem“-Kuchen, erzählen Katrin Gerschpacher (Foto) und Romy Sigl Vorbeischlendernden für was die girlandenförmig angebrachten Buchstaben am Dachrand der kleinen Holzbude stehen. Direkt gegenüber des altehrwürdigen Cafè Tomaselli stellen sie damit ihren ganz eigenen Weihnachtsgedanken vor: Fairness.

Der Verein, die Idee

„Die Grundidee für Fairmatching entstand aus der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren. Wir wollten etwas tun, etwa bewegen. Dass viele mit dieser Situation überfordert sein werden, war gleich zu sehen. Wir konnten durch Coworking Salzburg ein großes Netzwerk an Unternehmen einbringen“ sagt Katrin Gerschpacher, Co-Founderin von Fairmatching. Sie ist überzeugt, dass Arbeit einer der wichtigsten Faktoren im Integrationsprozess ist. Nicht nur um die Sprache zu verstehen, sondern auch um jeweilige Kompetenzen richtig einsetzen zu können. Der Arbeitsfindungsprozess sei aber von Land zu Land verschieden und ist damit für viele Flüchtlinge schwierig. Genau hier begleitet Fairmatching gut ausgebildete oder auch Flüchtlinge mit unklaren Berufsprofilen bei der Suche nach einem geeigneten Job.

Der Mensch hinter der Flucht

„Wir haben zum Beispiel viele Rechtsanwälte, die zu uns kommen“ sagt Gerschpacher. Gerade als Anwalt wäre es allerdings schwer, in einem anderen Land denselben Beruf auszuüben. Was Fairmatching aber geben kann ist Orientierung. „Das AMS kann gerade bei schwierigeren Fällen nicht individuell genug arbeiten. Meistens werden die Leute im 15-Minuten Takt betreut. Damit kann man sich schlecht ein Bild über die Person machen. Wir beschäftigen uns mit jedem individuell, kennen Hintergründe, Geschichten, Kenntnisse und Kompetenzen. Auch die, die vielleicht nicht im ursprünglichen Berufsbild liegen. Eine Englischlehrerin aus Hama in Syrien zum Beispiel, wird ab Februar im Kaffehaus 220 Grad in der Küche ein Praktikum absolvieren. Sie kocht unglaublich gerne und ist offen das auszuprobieren“, so Gerschpacher. Der Blick hinter den Namen, hinter die Rolle des Geflüchteten, trägt also Früchte. Auch für die Gesellschaft. „Man darf nicht vergessen, jeder von uns vermittelte Flüchtling zahlt in unser Sozialsystem. Unternehmen profitieren von gut ausgebildeten, motivierten Mitarbeitern.“ Auch, wenn die Einschulung am Anfang etwas längert dauert. „Unsere Begleitung hört nicht nach der Vermittlung auf. Wir sind danach für Unternehmen und Flüchtlinge da. Alle Seiten profitieren“, sagt Gerschpacher.

Die Finanzierung

Finanziert hat sich der Verein bis jetzt über eine Crowdfunding Kampagne, von Spenden und Eigeninitiativen. Das könnte ab 2018 allerdings einfacher werden. Fairmatching wird wahrscheinlich im nächsten Jahr von öffentlichen Fördergebern unterstützt. „Wenn alles gut geht, ist unser Ziel, das Team im nächsten Jahr auf fünf Mitarbeiter aufzustocken. Außerdem wollen wir nach einem Jahr ein Drittel der Kosten durch eigene Umsätze decken“, sagt Gerschpacher. 60 bis 80 Flüchtlinge sollen im nächsten Jahr vermittelt werden, mehr als doppelt so viele wie bisher. „In den letzten eineinhalb Jahren haben wir rund 30 Flüchtlinge vermittelt. Und das mit weniger Zeit und weniger Ressourcen, die uns ab nächstem Jahr hoffentlich zur Verfügung stehen werden.“

 

Wohin man sich als Socialpreneur wenden kann

 

Muss nur noch kurz die Welt retten

Vereine wie Fairmatching und Social Entrepreneure werden gerne als Weltverbesserer, Leuchttürme der Gesellschaft porträtiert. Sieht sich Gerschpacher selbst als Weltretterin? „Ich würde schon sagen, dass wir viele Missstände aufdecken. Das sehe ich auch von der Seite der Steuerzahler. Wenn jemand beispielsweise eine Mindestsicherung bekommt, dann bekommt er die nur so lange, bis er eine Schulung oder Ausbildung beginnt. Das heißt, wenn er daheim herumsitzt und nichts tut, bekommt er Geld. Wenn er sich weiterbilden möchte, fällt diese Sicherung weg. Ich werde das nie ändern können, aber ich kann es aufzeigen. Die 30 Leute, die durch unsere Hilfe nicht mehr von Sozialleistungen abhängig sind, denen geht es besser. So viel steht fest. Außerdem zahlen sie in unser Sozialsystem ein. Bis zu einem gewissen Grad kann man da vielleicht schon sagen die Welt verbessern. Zumindest unsere kleine Welt.“ Gerschpacher hält auch einen kulturellen Wandel für möglich. „Du brauchst nur ein paar große Multiplikatoren. Palfinger zum Beispiel ist ein Partner von uns. Das sind Vorbilder für andere Unternehmen. Hier entsteht ein Miteinander auf Augenhöhe und das ist uns besonders wichtig“.

 

Wir wünschen euch eine wunderschöne Weihnachtszeit und sind nach den Feiertagen wieder mit neuen Geschichten rund um die Gründerszene Salzburgs für euch da!
Euer Startup Salzburg Team

Schreibfröhlich und am liebsten mit viel Sonnenschein in den Tag. Nach Wien und London hat es Evelyn nun nach Salzburg verschlagen. Hier hört sie sich im Einsatz für die ITG und Startup Salzburg nach spannenden Geschichten und Menschen um.

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