Mitte Februar wurde die erste Runde des Startup City Labs Salzburg feierlich beendet. In unserem viermonatigen Programm haben die Teilnehmer:innen ihre Prototypen und sich selbst weiterentwickelt.

Ecosystem

Magnetische Skibindungen, touristische Erlebnisse mit Virtual Reality, Fahrradsattel aus Holz, nachhaltige Produkte aus Maisstroh und vieles mehr: Beim Startup City Lab Salzburg tüftelten in den vergangenen vier Monaten zwölf Teams am Prototyping ihrer innovativen Ideen. Dabei meint „Prototyping“ den Bau eines ersten Produktmodells, das kann zum Beispiel eine App, eine Website oder ein 3D-Gegenstand sein. Das Kooperationsprojekt von Startup Salzburg und der Wissensstadt Salzburg fand zum ersten Mal statt und wurde rein online durchgeführt.

Am 17. Februar ging der feierliche Abschluss des ersten Startup City Labs Salzburg über die digitale Bühne. „Das Programm wurde von Startup Salzburg und der Stadt Salzburg ins Leben gerufen, weil uns gute Rahmenbedingungen für Startups und Unternehmen sehr wichtig sind. Der Pioniergeist und das innovative Know-how der Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen maßgeblich zur Entwicklung des Wissensstandorts Salzburg bei“, zeigte sich Bürgermeister Harald Preuner zufrieden. Das Startup City Lab wurde von der Stadt Salzburg finanziert.

Im Design Sprint zum Prototypen

In 14 Online-Terminen hoben zwölf Teams basierend auf der Google-Design-Sprint-Methode ihre Prototypen auf das nächste Level. Beim Google Design Sprint wird in kürzester Zeit ein erster Prototyp entwickelt und mittels erster Usertests am Markt erprobt. „Für Startups ist es besonders wichtig, Ideen rasch anhand eines Prototyps zu konkretisieren und am Markt zu erproben. Der auch von Google genutzte Design Sprint hilft hier alle notwendigen Schritte anhand eines klar strukturierten, kompakten Prozesses zu durchlaufen. Mich hat wirklich begeistert, mit welchem Engagement und Team-Spirit unsere Startups diese Herausforderung in einem komplett online durchgeführten Programm angegangen sind“, sagt Innovationsexperte Christopher Rettenbacher.

Mit dem Google Design Sprint nach Jake Knapp werden in kürzester Zeit Prototypen entwickelt. (Foto: Gautam Lakum on Unsplash)

Die Teilnehmer:innen profitierten von einer spannenden Mischung aus theoretischen Inputs und Einblicken in die Praxis von erfahrenen Gründer:innen aus der Startup Salzburg Schmiede wie Audvice und easyVEGAN. Außerdem konnten sie im Happylab im Techno-Z (öffentliche Werkstatt mit 3D-Druckern, Laser Cuttern, Handwerkzeug und vielem mehr) kostenlos an ihren Prototypen tüfteln. Gecoacht wurden sie von Christopher Rettenbacher (transform&), Oliver Wagner und Ernst Novak (beide Startup Salzburg Service-Point beim ITG – Innovationsservice für Salzburg) und von Michel Doblhofer (Startup Salzburg Service-Point beim PLUS Career und Startup Center der Universität Salzburg).

Diese Prototypen sind entstanden

Die Ideen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren so unterschiedlich, wie die Menschen dahinter. So hat etwa Bernhard Gassner ein sensorbasiertes System zur automatischen Bodenfeuchtemessung entwickelt. Im Startup City Lab hat er nicht nur seine Geschäftsidee inklusive dem Usertesting weiterentwickelt, sondern auch sich selbst: „Davor hatte ich immer die Scheu, jemandem von meinen Ideen zu erzählen. Nie im Leben wäre ich vor einem halben Jahr in eine andere Abteilung innerhalb der Firma spaziert und hätte dort die Lösung für ein dort gefundenes Problem gepitcht. Das habe ich aber getan und die Idee wurde sehr positiv aufgenommen“. Außerdem hat der detailverliebte Techniktüftler erkannt, wie wichtig es für die Produktentwicklung ist, schon frühzeitig Feedback einzuholen: „Vor der Teilnahme am Startup City Lab hätte ich an einer Idee ein Jahr lang herumentwickelt und dann bittere Enttäuschung erlebt, wenn niemand mein Produkt gebraucht hätte“, erzählt Bernhard Gassner.

Im Startup City Lab hat Bernhard Gassner einen virtuellen Prototypen (Clickdummy) für sensorbasierte Bodenfeuchtemessungen entwickelt. (Visualisierung: Bernhard Gassner/Marvel Prototyping Ltd)

Auch Teilnehmer Ivan Cindric, Gründer der Flockenmanufaktur, hat vom Programm profitiert: „Ich kann die Teilnahme am Startup City Lab jeder Person ans Herz legen. Neben dem professionellen Coaching bietet das Programm einen geschützten Rahmen, in dem man über Ideen, Ziele und neue Strategien gemeinsam nachdenken kann“. Im Startup City Lab hat er seine Flockenmanufaktur weiterentwickelt. Damit ist er der erste Lebensmittelhersteller im deutschsprachigen Raum, der Lebensmittel speziell für Menschen mit Autoimmunerkrankungen herstellt mit vollkommener Transparenz über die Inhaltsstoffe. Denn für Autoimmunkranke können Zusätze wie Farb- und Konservierungsstoffe, Emulgatoren und Co. schädlich sein.

Die Flockenmanufaktur von Ivan Cindric stellt Lebensmittel für Autoimmunkranke her. (Foto: wildbild)

Eine ganz andere Idee hatten die Geoinformatikerinnen Anna Kovács-Györi und Eva Missoni. Sie haben mit GIS4SDG eine Software entwickelt, die die Erreichbarkeit von Grünräumen in Städten mithilfe von Satellitenbildern und GIS (Geoinformationssystemen) aufzeigt. „Das Startup City Lab hat uns geholfen, unsere Idee Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, damit wir in der Zukunft unsere forschungsbasierte Dienstleistung nicht nur in akademischen Bereichen, sondern auch für Stadtverwaltung oder -planung zur Verfügung stellen können. Gerade arbeiten wir an einem Antrag, um Förderung für unsere Forschung zu erhalten. Parallel konzipieren wir auch die Details unserer Dienstleistung, damit wir in der Analyse neben der Erreichbarkeitsanalyse auch weitere lokale Herausforderungen der Grünräume berücksichtigen können“, sagt Anna Kovács-Györi.

Die Geoinformatikerinnen Anna Kovács-Györi (re.) und Eva Missoni (li.) stellen die Erreichbarkeit von städtischen Grünräumen mithilfe von Satellitenbildern und GIS dar. (Foto: GIS4SDG)

Eine weitere Idee, die vorangetrieben wurde, ist das magnetische System für Tourenski von Martin Edelsbrunner (edelworks). Die Bindung unterstützt den natürlichen Bewegungsablauf, somit haben Skitourengeher:innen mehr Kraft für längere Anstiege und die Abfahrt und einen verbesserten Halt im Schuh. Ein weiterer Vorteil ist, dass das System mit jeder gängigen PIN-Bindung kompatibel ist.

Martin Edelsbrunner mit seiner innovativen Skibindung edelworks. (Foto: edelworks)

Eine Idee für die derzeit geplagte Tourismusbranche hatte Barbara Prodinger mit Heublume. Mithilfe von Virtual Reality (VR) ermöglicht sie Tourismusbetrieben, das Urlaubserlebnis ins Wohnzimmer der Gäste zu bringen. Die Hotels schicken den Gästen ein Paket mit VR-Aufsatz fürs Smartphone und getrocknete Blumen oder Heu aus der Region. Die Gäste setzten dann die VR-Brille auf und besteigen virtuell Berge oder genießen die schöne Landschaft. Gleichzeitig riechen sie an den Blumen oder dem Heu. So wird das VR-Erlebnis intensiver.

Barbara Prodinger mit dem Prototypen ihres Kombiprodukts aus digital und analog. (Foto: Michael Schartner)

Die Zutaten für den Erfolg

Gründer:innen stehen bei der Umsetzung ihrer Ideen immer wieder vor vielen Herausforderungen. Wie erkennt man frühzeitig die Stärken und Schwächen einer Geschäftsidee, wie wird daraus ein erster Prototyp und ein handfestes Konzept? „Am besten mit praxisbezogenem Input, einem wertschätzenden Feedback anderer Gründer:innen, gezielter Reflexion und strukturierter Anleitung“, weiß Startup-Experte Oliver Wagner. „Mit diesen Zutaten und einer großen Portion Teamleistung wurde das erste Startup City Lab durchgeführt“, zeigt er sich begeistert. Das Programm ist Teil einer größer angelegten, mehrjährigen Studie der Privatuniversität Schloss Seeburg, bei der das Startup City Lab evaluiert wird und untersucht wird, wie Kreativität und Innovationsmethoden im virtuellen Raum funktionieren.

Volle Kraft voraus

Wie geht es nun für die Teilnehmer:innen weiter? Die Gründer:innen haben Gefallen am Salzburger Startup-Ökosystem gefunden und sehen, wie sie vom engmaschigen Netzwerk profitieren können. Nach dem Abschluss des Startup City Labs werden sich einige Teilnehmer:innen für andere Coaching-Programme von Startup Salzburg bewerben, wie zum Beispiel für das neunmonatige Inkubationsprogramm FACTORY.

Und wie geht es für die Veranstalter:innen weiter? 2021 soll das Programm in die nächste Runde gehen. Ob es dann wieder rein online, in hybrider Form oder offline stattfinden wird, wird sich noch zeigen. Jetzt schon fix geplant ist ein Treffen in Präsenz mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten Durchgangs – sobald dies die Pandemiebestimmungen zulassen. Denn in den vier Monaten ist man fest zusammengewachsen. „Obwohl das Online-Format der Zusammenarbeit keinen Abbruch getan hat, freuen wir uns heute schon auf den Tag, wo wir uns mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern endlich auch offline treffen können“, sagt Startup-Salzburg-Coach Ernst Novak.

Gemeisam schafft man mehr – auch im Startup City Lab Salzburg. (Foto: My Llife Through a Lens on Unsplash)

(Titelbild: Jo Szczepanska on Unsplash)

 

Jetzt Weiterlesen: Wozu und wie du einen Prototypen baust

Veröffentlicht am 1. März 2021

Interessiert an allem, was nicht der Norm entspricht, und ausgestattet mit einem gewaltigen Wissensdurst, ist sie für Startup Salzburg und die ITG – Innovationsservice für Salzburg auf der Jagd nach herausragenden Ideen und den Geschichten der Menschen dahinter. Als studierte Archäologin ist sie der Überzeugung, dass man Fortschritt und Innovation nicht aufhalten kann – als Kommunikationsprofi weiß sie, dass man darüber berichten muss.

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