Meine Artikelserie über innovatives Business Mentoring erforscht und hinterfragt die Rolle von Mentor*innen und Mentees in einer Zeit, in der Handelskriege, Umweltkatastrophen, Kryptowährungen und Big Data unser unternehmerisches Handeln herausfordern.

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Heute widme ich mich der Frage, was es bringt, sich während des Mentorings mit den Idolen, Vorbildern und den Held*innenfiguren von Startup-Gründer*innen auseinanderzusetzen. Als Mentorin achte ich darauf, dass sich meine Mentees darüber im Klaren werden, welche Vorbilder ihr Handeln bewusst oder unbewusst beeinflussen und dass sie sich Idole suchen und auswählen, die ihnen für ihre berufliche Zukunft wie „innere Mentor*innen“ zur Seite stehen können.

Zur Klärung der Begriffe:

  • Ein Idol bete ich an. Es ist unerreichbar, eben ideal, und hat für mich selbst keine Schatten und keine Makel. Es kickt die besten Fähigkeiten in mir.
  • Ein Vorbild gibt mir einen Verhaltensrahmen vor, der mir Kompass für Entscheidungen sein kann. Wie hätte es X gemacht?
  • Eine Held*innenfigur zeigt mir, wie ich eine innere Prüfung angehe und wie ich sie überstehe.

(Foto: Marcin Lukasik on Unsplash)

Gründer brauchen unbelastete „innere Mentor*innen“

Darauf bestehe ich. Ich muss im Umgang mit Mentees sehr reflektiert sein über meine eigenen Idole. Dann erst bin ich ein echter Resonanzkörper, um ihre Suche nach Idolen zu unterstützen. Ganz gleich, ob die Wahl der Gründer*innen auf Idol, Vorbild oder Held*innenfigur fällt, wichtig ist es, dass diese „inner mentors“ unbelastet von Verhaltensklischees sind. Ein typisches belastetes Klischee ist das des unverletzlichen Alleinherrschers. Dieses Klischee nährt ein altmodisches Trugbild. Aufgeweckte Gründer*innen wissen, dass selbst Wirtschaftstycoone nicht alles allein schaffen können.

Step by step: Die Suche nach dem „inner mentor“

1. Setze den Fokus deiner Suche auf die Unterstützung deiner unkonventionellen Talente!

Ausgangspunkt für die Suche nach Idolen, Vorbildern und Held*innenfiguren sollte sein, einen „inneren Mentor oder eine innere Mentorin“ zu finden, der oder die die unkonventionellen Talente spiegelt. Die unkonventionellen Talente sind ein Verhaltensschatz, der Gründer*innen als Polster, als Trampolin, als Schutzhütte dient, wenn der Gründer*innenalltag nicht so reibungslos läuft. Und schließlich läuft das Unternehmer*innenleben fast nie reibungslos ab, oder?

Der Founder Bliss (unkonventionelle Talente der Persönlichkeit bestimmen die Geschäftsidee) in Gründer*innen sehnt sich nach unvoreingenommenen Idolen, Vorbildern und Held*innenfiguren. Der Maverick Bliss (Grenzgänger*in) will diesem Gefängnis entkommen: „Es ist zu eng, zu kleinkariert!“ und seine Unangepasstheit ausleben. Der Visionary Bliss (Zeitreisende*r) will davon loskommen: „Es ist zu schlampig, zu geistlos!“ und sein Gespür für Tiefe nutzen. Der Jester Bliss (kluge Narr, die kluge Närrin) hat genug von „es ist zu langweilig, zu einfallslos!“ und sehnt sich nach Sinnesreichtum.

Voila! Startup-Gründer*innen, die ihren Founder Bliss als Suchfokus für ihre „inneren Mentor*innen“ annehmen, haben bessere Chancen nicht im Dickicht von blöden Held*innen, selbstverliebten Idolen oder rigiden Vorbildern stecken zu bleiben.

Mehr zum Founder, Maverick, Visionary und Jester Bliss

2. Wähle deine „inneren Mentor*innen“ unvoreingenommen aus!

Jetzt kann die eigentliche Suche losgehen. Hier ein einfaches, wirksames Raster, um Qualität in die Suche zu bringen:

  • Inspirierende Vorbilder findest du in den verschiedensten gesellschaftlichen Lebensbereichen.
  • Idole, die auch ihre menschlichen Schönheitsfehler preisgeben, zeugen von Selbstsicherheit.
  • Begib dich auf die Suche nach Held*innenfiguren, die sinnvolle Prüfungen bestehen!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie eine sorgfältig getroffene Wahl von „inneren Mentor*innen“ Gründer*innen hilft, sich in ihrer Persönlichkeit aus eigener Kraft zu stabilisieren. Erfahrene Mentor*innen ergründen mit ihren Mentees die Tiefen ihrer Persönlichkeit als Gründer*innen. Die Reflektion über die geeigneten „inneren Mentor*innen“ ist dafür ein wirksames Medium.

3. Hast du deinen „inner mentor“ ausgewählt, lerne mit ihm oder ihr zu sprechen!

Der ständige innere Dialog mit dem „inneren Mentor oder der inneren Mentorin“ muss geübt werden. Dazu leite ich als reale Mentorin meine Mentees an. Routiniert können sich die Gründer*innen dann konsequent fragen: „Was würden jetzt meine ‚inneren Mentor*innen‘ tun?“ und dann die ungewöhnlichen Antworten der „inneren Mentor*innen“ formulieren. Meine Mentees sagen, dass dieser besondere innere Dialog ihnen in erster Linie in verwirrenden und beängstigenden Situationen des Unternehmer*innenalltags Trost spendet.

(Foto: Zhengtao Tang on Unsplash)

Welche Hürden müssen Gründer*innen bei der Wahl ihrer „inneren Mentor*innen“ überwinden?

Einige Gründer*innen haben überhaupt keine Vorbilder. Für sie ist diese Frage sinnvoll: Mit welchen fiktiven Charakteren aus Filmen oder Erzählungen haben sie etwas gemeinsam?

Eine andere Gruppe von Gründer*innen spult auf die Frage, welchen Vorbildern sie nacheifern, einstudierte, stereotype Antworten ab. So wird etwa Tesla Gründer Elon Musk so oft genannt, dass man ahnt, da wird sozial erwünscht gesprochen, aber nicht von den eigenen Stärken. Für diese Gründer*innen lohnt es sich, zunächst die Sehnsüchte ins Bewusstsein zu rufen und zu fragen, welche Gründer*innen-Persönlichkeit sie werden wollen.

Gründer*innen, die sich gern mit Idolen beschäftigen, brauchen trotzdem Ermutigung, einen unverstellten Blick auf „innere Mentor*innen“ einzunehmen, z. B. auf verrückte Idole, die sie dafür gerne testen würden, sich daran aber noch nicht getraut haben.

Mir macht es Freude, tief zu graben. Ich entdecke unermüdlich mit Gründer*innen, welches kreative Potpourri aus Idolen, Vorbildern und Held*innenfiguren ihr Handeln beeinflussen sollte. Dabei gehen meine Mentees mit mir auf eine Entdeckungsreise zu Heldinnen und Helden, die ihrem unkonventionellen Wesen entsprechen. Gründer*innen, die gelernt haben, ihre Vorbilder kritisch auszuwählen, befreien sich leichter von einem starren Wunschbild von sich selbst.

Idole suchen und finden

Wer noch Idole sucht, die zum eigenen Bliss passen, der möge über folgende Persönlichkeiten, Filmfiguren und übernatürliche Wesen nachdenken: Den Maverick Bliss hatten definitiv die Filmschauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr oder der schlitzohrige Gott Loki. Der klassische Jester Bliss wäre der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart oder Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“. Beispiele für den Visionary Bliss sind meiner Meinung nach der amerikanische Interneterfinder Tim Berners-Lee – für mich ist er in der Lage, 50 Jahre in der Zeit nach vorne, aber auch 50 Jahre zurückzudenken – oder auch die weibliche Sonnengottheit aus Japan Amaterasu.

Weiterführende Lektüre findet ihr in meinem englischsprachigen Artikel „Startup Founders – how do your Idols shape your Business Ideas?“.

(Foto: Gabriel Bassino on Unsplash)

(Titelfoto: Joey Nicotra on Unsplash)

Patricia von Papstein ist eine Geschäftsfrau, die ausgebildete Klinische- und Organisationspsychologin ist und gleichermaßen Technologie und Kunst liebt. Sie entdeckt und fördert den Founder Bliss in jungen Unternehmen.

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